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Pressekonferenz: Ergebnisse des WAT-Gutachtens vorgestellt

Donnerstag, 30. Juli 2020, 14:18 Uhr, Alter: 58 Tage

Prof. Dr. Günter Neubauer, Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomik (IfG), stellte die Ergebnisse der Wirtschaftlichkeitsanalyse ambulanter Therapiepraxen (WAT-Gutachten) vor. Die Verbandsvertreterinnen (v. l.) Bettina Kuhnert (Ergotherapie), Katrin Schubert (Logopädie/Sprachtherapie), Ute Repschläger (Physiotherapie) und Martina Schmidt (Podologie) erläuterten jeweils für ihren Heilmittelbereich, welche Konsequenzen sich daraus ergeben müssen. Fotos: IFK

In der heutigen Pressekonferenz hat die dbs-Vorsitzende Katrin Schubert für die Verbände dbl, dbs und Logo Deutschland die Ergebnisse der Wirtschaftlichkeitsanalyse ambulanter Therapiepraxen (WAT-Gutachten) erläutert, die heute vorgestellt wurden.

 

Kurzzusammenfassung: Ergebnisse WAT-Gutachten allgemein

Die Vergütung, die ErgotherapeutInnen, LogopädInnen/SprachtherapeutInnen, PhysiotherapeutInnen und PodologInnen für die Behandlung gesetzlich versicherter PatientInnen erhalten, muss deutlich steigen.Im Betrachtungsjahr 2018 hätte sie je nach Heilmittelbereich um 42 bis 92 Prozent erhöht werden müssen. Nur mit einer deutlichen Erhöhung im Rahmen der anstehenden Preisverhandlungen ist langfristig eine wirtschaftliche Praxisführung und somit auch die flächendeckende Versorgung der PatientInnen mit Heilmitteln möglich, lautet das Fazit der Wirtschaftlichkeitsanalyse ambulanter Therapiepraxen (WAT-Gutachten).

 

Das WAT-Gutachten wurde vom Institut für Gesundheitsökonomik (IfG) im Auftrag von elf maßgeblichen Heilmittelverbänden durchgeführt. Ziel war es im ersten Schritt, die betriebswirtschaftliche Situation der Heilmittelerbringerpraxen zu analysieren. Die zweite Fragestellung war, wie hoch die Vergütung durch die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) sein müsste, um ein angemessenes Einkommen für die PraxisinhaberInnen sowie konkurrenzfähige Löhne für die MitarbeiterInnen gewährleisten zu können. Hier klafft laut IfG eine deutliche Lücke. Wie hoch diese ausfällt, variiert je nach Heilmittelbereich.

 

Zusätzlich zu der Frage, wie stark die Vergütung steigen muss, hat sich das IfG auch mit dem Verwaltungsaufwand in Heilmittelpraxen beschäftigt.

Ergebnis: Dafür fällt in allen Heilmittelbereichen ein erheblicher Arbeitsaufwand an. Dieser Verwaltungsaufwand müsse in der Vergütung ebenfalls Berücksichtigung finden, so das IfG. Andernfalls drohe unter anderem, dass es immer weniger kleinere Heilmittelpraxen geben werde. Diese seien aber für die flächendeckende Versorgung der PatientInnen in Deutschland eklatant wichtig.

 

 

Ergebnisse des WAT-Gutachtens im Bereich der Logopädie/Sprachtherapie /

Statement der Verbände der Logopädie/Sprachtherapie


Für den Bereich Logopädie/Sprachtherapie ergeben sich aus dem Gutachten zusammengefasst folgende wichtige Ergebnisse und Schlussfolgerungen. Die Ergebnisse beziehen sich auf eine durch das WAT-Gutachten ermittelte durchschnittliche Praxis mit 2 therapeutisch arbeitenden Angestellten, die zusammen 1,3 Vollzeitstellen besetzen. Die Zahl der Teilzeitkräfte in den Praxen ist, wie auch in anderen Frauenberufen, sehr hoch. 93% der Logopäden oder Sprachtherapeuten sind weiblich.

 

  1. Das ermittelte Unternehmereinkommen und die Arbeitnehmervergütung in einer logopädischen oder sprachtherapeutischen  Praxis in 2018 liegen weit unter den vergleichbaren Tarifgehältern des öffentlichen Dienstes. Das bedeutet:
  • Damit die niedergelassene Praxisinhaberin ein vergleichbares Einkommen zum öffentlichen Dienst erzielen kann, muss der GKV-Umsatz der Praxis aus 2018 um 49% gesteigert werden.
  • Um die Mitarbeitervergütung konkurrenzfähig anzupassen, müssen die Gehälter um 51% gesteigert werden. Um das zu erreichen, muss der GKV-Umsatz der Praxis um weitere 15 % erhöht werden.
  • Insgesamt ergibt sich in der Logopädie/Sprachtherapie eine notwendige Steigerung der GKV-Vergütung im Vergleich zu 2018 um 64%. Dabei wurde noch nicht berücksichtigt, dass schon über 35 % der Logopädinnen und Sprachtherapeutinnen eine akademische Qualifikation besitzen.
  • Noch größer zeigt sich die Differenz bei kleinen Praxen ohne angestellte Therapeutinnen. Sie erzielen im Durchschnitt ein Bruttogehalt von 2078 €. Aber gerade diese kleinen Praxen sind in der Logopädie/Sprachtherapie für eine flächendeckende Versorgung der Patientinnen unabdingbar, besonders um die Versorgung von älteren Patientinnen und Familien mit Kindern auf dem Land zu gewährleisten.
  • In der Logopädie /Sprachtherapie besteht bereits ein eklatanter Fachkräftemangel. 55 Prozent der Praxen mit Mitarbeiterinnen gaben an, dass Fachkräfte  fehlen, im Durchschnitt 1,4 Fachkräfte pro Praxis.
  • Seit 2 Jahren gilt unser Beruf in der Statistik der Arbeitsagentur als Mangelberuf. Dabei verlassen immer mehr Logopädinnen und Sprachtherapeutinnen den Beruf ganz und orientieren sich in der Bildung oder branchenfremd neu.

 

2. Auch strukturelle Probleme der Vergütung durch die Gesetzliche Krankenversicherung sind eine weitere Ursache für die schlechte finanzielle Situation der Praxen vor Ort :

 

Für organisatorische oder nicht direkt am Patienten erbrachte Tätigkeiten, die zwingende Voraussetzung für die Erbringung der therapeutischen Leistungen sind, wird viel Zeit in den Praxen investiert, die bisher in den Vergütungsstrukturen noch nicht ausreichend abgebildet werden.Dazu gehören z. B.:

 

  • Hausbesuche und Behandlungen in Einrichtungen für Kinder mit einer schweren Behinderung. Dabei ist der Zeitaufwand für Hausbesuche viel höher als bisher vergütet. Der zusätzliche Aufwand für die Versorgung von Kindern mit schweren Behinderungen in einer auf deren Förderung ausgerichteten Einrichtung wird bisher noch gar nicht vergütet.
  • Die Differenz zwischen der bisher vergüteten fachlichen Vor- und Nachbereitungszeit von 10 min und dem ermittelten tatsächlichen Wert  von 19,4 min pro Therapieeinheit muss bei der künftigen Preisfindung ebenfalls einkalkuliert werden.      
  • Berichte, die die meisten Ärzte anfordern, vergüten die Krankenkassen bis auf eine bisher gar nicht.
  • Es zeigt sich, dass in Logopädie-/Sprachtherapiepraxen ein erheblicher Arbeitsaufwand – nämlich 23 min pro Therapie für Verwaltungstätigkeiten wie z.B. Prüfung der ärztlichen Verordnungen, Arbeitsschutz, Mitarbeiterinnenführung, Datenschutz, Terminabsprachen oder Praxisorganisationentfallen. Der Verwaltungsaufwand muss in der Vergütung Berücksichtigung finden.
  • Im Durchschnitt fallen drei Therapieeinheiten pro Woche und Therapeut (VZÄ) in Logopädie/Sprachtherapiepraxen aus, ohne dass diese anderweitig besetzt werden können. Auch dies führt zu erheblichen Einnahmeverlusten.

 

Unser  Fazit:

Die jahrelange niedrige Vergütung  und viele bisher nicht von den Krankenkassen vergütete Tätigkeiten haben für alle in den niedergelassenen Praxen tätigen Logopädinnen und Sprachtherapeutinnen zu einer unterdurchschnittlichen Bezahlung und zu einer überdurchschnittlichen Arbeitsbelastung geführt. Altersvorsorge, Rücklagen oder eine leistungsgerechte Vergütung für Praxisinhaberinnen  genauso wie angemessene vergleichbare Gehälter für Angestellte sind unter diesen Bedingungen nichtmöglich. Um eine qualitätsgerechte Patientenversorgung mit Logopädie und Sprachtherapie auch in der Zukunft sichern zu können, muss die Vergütung entsprechend angepasst und neu strukturiert werden.

 

Wir müssen die Voraussetzungen schaffen, um die Tendenz der Abwanderung in andere Berufe aufzuhalten und wieder mehr Nachwuchs zu gewinnen. Wenn uns dies nicht gelingt, werden wir in absehbarer Zeit die Patienten nicht mehr mit den notwendigen logopädischen und sprachtherapeutischen Leistungen versorgen können.

 

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