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Sprachtherapie intensiv – 18. Wissenschaftliches Symposium des dbs

Fotos: Beate Stoye/dbs

Für das 18. Wissenschaftliche Symposium hatte der dbs ein Thema gewählt, das für Praxis und Forschung gleichermaßen relevant ist: „Sprachtherapie intensiv“ hieß es am 17. und 18. Februar 2017 an der Hochschule für Gesundheit (hsg) in Bochum.

 

Nach den Grußworten der dbs-Bundesvorsitzenden Katrin Schubert und der Gastgeberin Prof. Kerstin Bilda (hsg Bochum), skizzierte Judith Heide (Stellvertretende Bundesvorsitzende des dbs/Universität Potsdam) die wichtigsten Fragestellungen und Grundbegriffe der Intensivtherapie von Sprach-, Sprech-, Stimm-, Hör-, Schluck- und Redefluss-Störungen. In den folgenden Vorträgen wurden diese immer wieder aufgegriffen und störungsbildspezifisch interpretiert. Schnell war klar: Standard-Konzepte nach Schema F wird es auch in der Intensivtherapie nicht geben. Stattdessen sind die TherapeutInnengefragt, gemeinsam mit ihren Klienten und deren Angehörigen die optimale Therapieform und -intensität auszuloten.

 

Während Dr. Claudia Fermor (LVR-Klinik Bonn)  berichtete, dass sich in der stationären Intensivtherapie bei Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen ein multiprofessionelles Vorgehen bewährt hat, das neben der Sprachtherapie zahlreiche andere Angebote vorhält, plädierte Dr. Gabriele Scharf-Meyer  (Praxis Spontansprache, Bad Wildbad) für Intensivtherapien bei erworbenen Sprach- und Sprechstörungen, die sich ausschließlich auf die sprachliche Rehabilitation konzentrieren. Am Beispiel der Stottertherapie diskutierte Dr. Claudia Iven (dbs)u.a. die Vor- und Nachteilevon ambulanten vs. stationären Reha-Maßnahmen und von Einzel- vs. Gruppensettings. Karen Reichmuth (Universitätsklinikum Münster) machte deutlich, dass es bei Intensivtherapien nicht einfach nur um „Masse“ geht. Am Beispiel des Spracherwerbs von CI-versorgten Kindern zeigte sie, dass gleichzeitig die Therapieinhalte wohl überlegt sein müssen, damit diese – hochdosiert – ihre Wirkung entfalten. Ein ganzheitlicher Blick auf Intensivtherapien gelang Dr. Bärbel Miethe (Praxis für Logopädie, Halle/Saale) indem sie die Stimmfunktionstherapie im Spannungsfeld von Übungsintensität, Maßnahmenintensität und Beratungsintensität betrachtete.

 

Gabriele Finkbeiner (dbs/DBKS) eröffnete den zweiten Symposiumstag mit Daten und Fakten zur neurologischen Rehabilitation und setzte damit den thematischen Rahmen. Prof. Dr. Rainer Dziewas(Universitätsklinikum Münster) präsentierte verschiedene Neurostimulationsverfahren zur Behandlung von Dysphagien und zeigte damit, wie die klassische verhaltensorientierte Therapie ergänzt und damit intensiviert werden kann. Eine andere Variante, die Therapiefrequenz und damit -intensität zu erhöhen, ist die Teletherapie. Prof. Dr. Kerstin Bilda (hsg Bochum) erläuterte die Ergebnisse ihres DiaTrain-Projektes und zeigte, wie Personen mit Aphasie mittels intensiven Eigentrainingsund begleitenden Videotelefonaten deutliche Fortschritte in der Anwendung von Kommunikationsskripten machten.

 

Das Eigentraining, das in der Verantwortung des (erwachsenen) Patienten liegt, kristallisierte sich als ein ganz wesentlicher Faktor von sprachtherapeutischen Intensivbehandlungen heraus. In der von Prof. Dr. Annette Baumgärtner (Hochschule Fresenius, Hamburg) vorgestellten FCET2EC-Studie wird untersucht, wie wirksam intensive Aphasietherapie unter regulären klinischen Bedingungen ist. Dabei wurde die hochstrukturierte Kombination von sprachsystematischen und kommunikativ-orientierten Therapieverfahren durch sehr regelmäßiges Eigentraining ergänzt. Dies gilt auch für die Umsetzung intensivtherapeutischer Angebote in der ambulanten Praxis: Ohne eine ausreichend hohe Eigenmotivation mit der Bereitschaft, mindestens eine Stunde am Tag selbständig zu üben, sei die Teilnahme an Intensivtherapien nicht sinnvoll, erklärte Dr. Gabriele Scharf-Meyer. Für alle anderen Patienten bieten Intensivtherapien aber eine enorme Chance, ihre sprachlichen Leistungen nachhaltig zu verbessern.

 

Als große Herausforderung wurden von vielen ReferentInnen die derzeitigen Rahmenbedingungen für sprachtherapeutische Leistungen genannt: Intensivtherapien sind mit einem relativ hohen Organisations- und Vorbereitungsaufwand verbunden, der derzeit nicht vergütet wird. Auch die Begleitung von eigenständig durchzuführenden Übungen oder die Beratung in Inter-Therapie-Intervallen kann derzeit nicht abgerechnet werden. Viele Ärzte sind zudem nicht daran gewöhnt, eine Therapiefrequenz zu verordnen, die zwei Sitzungen pro Woche übersteigt. Dabei lässt der Heilmittelkatalog für alle stimm-, sprech- und sprachtherapeutischen Störungsbilder zu, dass die Therapie mehrmals pro Woche durchgeführt wird. Erste Ideen, wie die Intensiv- und Intervalltherapie noch stärkeren Eingang in die Heilmittelrichtlinie finden kann, wurden in Gesprächen am Rande des Symposiums entwickelt. Der dbs wird Sie dazu auf dem Laufenden halten.

 

Ergänzend zum Schwerpunkthema des Symposiums hat der dbs übrigens den Flyer „Intensive Sprachtherapie“ entwickelt, den Sie hier kostenfrei herunterladen und gerne an Patienten, Angehörige und verordnende Ärzte weitergeben können.

 

Im Rahmenprogramm des Symposiums gab es in diesem Jahr neue und vertraute Elemente: Wie immer wurden thematisch offene Workshops angeboten, in denen sich die TeilnehmerInnen vertieft mit verschiedenen sprachtherapeutischen Handlungsfeldern auseinandergesetzt haben. Der traditionelle Begrüßungsabend fand im exzenterhaus businessclub statt und bot neben persönlichen Gesprächen einen tollen Blick über das nächtliche Bochum. „Im Dialog“ waren zuvor schon die Arbeitnehmer-, Praxisinhaber und Doktorandenvertretungen mit den dbs-Mitgliedern gewesen. Diese erstmals angebotenen, informellen Vor-Ort-Gespräche stießen auf großes Interesse und trugen zum intensiven Austausch, der das gesamte Symposium begleitete, bei.

 

Das 19. Wissenschaftliche Symposium des dbs wird am 23. und 24. Februar 2018 in Potsdam stattfinden. Sie sind schon jetzt herzlich eingeladen!

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