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Online-Studie zur Arbeits- und Vertragssituation
von angestellten SprachtherapeutInnen 2010

 

Die dbs-Arbeitnehmervertretung führte im Herbst 2010 eine umfangreiche Online-Studie zur Einkommens- und Vertragssituation angestellter Sprachtherapeutinnen und Sprachtherapeuten in Praxen, Einrichtungen und anderen Institutionen durch. Über 250 TherapeutInnen beteiligten sich, so dass ein, wenn auch nicht representativer, Querschnitt erfasst wurde. Die wichtigsten Ergebnisse finden Sie im Folgenden.

 

Gehalt angestellter Sprachtherapeut(inn)en in Praxen

Als Problem bei der Auswertung der Gehälter stellte sich dar, dass 15% der Befragten Angestellten in Praxen keine vertraglich geregelte Arbeitszeit haben. Entsprechend war es bei diesen Angestellten nicht möglich, das Gehalt pro Arbeitsstunde zu berechnen.

 

 

Wir weisen eindringlich darauf hin, dass Angestelltenverträge ohne die Nennung einer Arbeitszeit (also nur Festschreibung der Anzahl zu leistender Therapien) gesetzlich nicht zulässig sind! Auch bei geringfügig Beschäftigten (sog. 400-Euro-Jobs) muss die Arbeitszeit mit im Vertrag angegeben werden.

 

 

Die durchschnittlichen Brutto-Monatsgehälter von Angestellten in sprachtherapeutischen Praxen können Sie der nachfolgenden Grafik entnehmen. Die angegebenen Gehälter wurden auf 40 Wochenarbeitsstunden hochgerechnet. Außerdem wurden Zusatzzahlungen zum Gehalt, z.B. Sondergratifikationen (außer Fortbildungszuschüsse) mit eingerechnet.

Monatliches Gehalt nach Berufserfahrung

Leichte Unterschiede zeigten sich im Brutto-Gehalt abhängig von der Dauer der Berufserfahrung in den alten Bundesländern. Hier steigen die Durchschnittsgehälter von durchschnittlich 2.078 Euro monatlich bei Berufsanfängern auf 2.550 Euro bei Angestellten mit mehr als 10 Jahren Berufserfahrung.

 

 

In den neuen Bundesländern zeigte sich hier keine deutliche Signifikanz, wobei die geringe Anzahl der Befragten (23) keine repräsentative Auswertung zulässt.

Gehalt von Angestellten in therapeutischen Einrichtungen

37% der Befragten sind Angestellte in therapeutischen Einrichtungen (z.B. Kindergärten oder Reha-Kliniken). Die Durchschnittsgehälter sind hier wesentlich höher, als in sprachtherapeutischen Praxen, es zeigt sich aber ebenfalls ein deutlicher West/Ost-Unterschied.

 

Gehaltsänderungen in den letzten 3 Jahren

Erfreulicherweise konnte der dbs in den vergangenen Jahren über eine Reihe von Erfolgen bei den Kassenverhandlungen berichten. Zwar bewegen sich diese meist im Rahmen weniger Prozente, doch sollte von solchen Verbesserungen der Einkommenssituation der Praxisinhaber auch etwas bei ihren Angestellten ankommen. Wie nachfolgende Grafik beweist, konnten sich aber nur 39% der Angestellten sprachtherapeutischer Praxen in den letzten 3 Jahren über eine Gehaltsseigerung freuen.

 

 

Tarifvertrag

Während für Angestellte in sprachtherapeutischen Praxen keine tarifvertraglichen Regelungen existieren, haben 81% der befragten Arbeitnehmer in therapeutischen Einrichtungen einen tariflich vereinbarten Lohn.


Neben einheitlichen Regelungen zum Gehalt und anderen Vertragsbestandteilen besteht ein wesentlicher Vorteil der Tarifgebundenheit darin, dass das Gehalt (und dessen Steigerung) nicht vom Arbeitnehmer persönlich verhandelt werden muss. Hier werden verbindliche Einigungen zwischen den Arbeitgebern und den Tarifkommissionen der Gewerkschaften vereinbart.

 

In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass der dbs nicht zu den "Tarifpartnern" gehört. Aufgrund gesetzlicher Regelungen können nur Gewerkschaften über Tarifverträge verhandeln. Entsprechend kann der dbs nur beratend und unterstützend tätig werden.

 

Anhand der Umfrage ließ sich nicht belegen, dass Tarifverträge zunehmend von öffentlichen (z.B. TVöD) zu Haustarifverträgen umgewandelt werden. Auch war nicht zu erkennen, dass Berufsanfänger zunehmend ohne tariflich gebunden Vertrag eingestellt werden.

 

Minusstundenverträge

43% der Befragten Angestellten in Praxen haben einen sogenannten „Minusstundenvertrag“, müssen also ausgefallen Therapien ggf. auch außerhalb der Arbeitszeit nachholen, um auf ihr Therapiesoll zu kommen oder es kommt zu Gehaltsabzug. Leider konnte aus den Ergebnissen nicht herausgelesen werden, ob hier auch (rechtlich zulässige) Modelle der flexiblen Arbeitszeit (Arbeitszeitkonten) mit angegeben wurden.

 

Aus vielfältigen Anfragen an die Arbeitnehmervertretung und Kommentaren auf die Umfrage ist unzweifelhaft, dass neben geringen Gehältern, diese Art der Vertragsgestaltung zur größten Unzufriedenheit bei den Arbeitnehmern führt.

 

Häufig wird von Arbeitgebern argumentiert, sie könnten das Risiko von Therapieausfällen nicht tragen und müssten ansonsten deutlich geringere Gehälter zahlen. Um dieses Argument zu überprüfen, werden im Folgenden Gehälter und Arbeitsbedingungen von Angestellten mit und ohne "Minusstundenvertrag" verglichen.

Die Ergebnisse entkräften die Aussage mancher Arbeitgeber, Verträge ohne 'Minusstundenregelungen' müssten zu geringeren Gehälter führen. Zwar wurde in dieser Grafik nur grob klassifiziert, aber auch bei detallierterer Betrachtung finden sich keine Unterschiede in der Bezahlung von Angestellten mit und ohne Minusstundenvertrag.

 

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, ob Angestellte ohne "Minusstundenvertrag" im Gegenzug eine höhere Therapieleistung erbringen müssten. Das Gegenteil ist der Fall:

 

 

Die dbs-Arbeitnehmervertretung weist noch einmal darauf hin, dass Verträge, in denen ausschließlich Therapieanzahlen und keine Arbeitszeit genannt werden, arbeitsrechtlich nicht zulässig sind. Desweiteren darf die Erbringung der vereinbarten Therapieleistung nicht zu unbezahlten Überstunden führen.

 

Möglich sind dagegen Arbeitszeitkonten oder Bonusverträge. Bitte beachten Sie den dbs-Musteranstellungsvertrag!

Haben Sie Fragen zu den Ergebnissen? Kommentare? Wünsche?

 

Ich freue mich über Ihre Email: vonderheide@dbs-ev.de

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