LingoScience – Der Logostudienpodcast

Wir möchten Forschung und Praxis der Sprachtherapie zusammenbringen. Deshalb werden hier regelmäßig aktuelle und relevante Studien der Logopädie leicht verständlich auf den Punkt gebracht.

LingoScience berichtet über spannende aktuelle Erkenntnisse, aber auch wegweisende Forschungsergebnisse der Vergangenheit werden vorgestellt. Zum Ende jeder Podcast-Folge werden umsetzbare Schlussfolgerungen für den Praxisalltag gezogen.

Eine Folge befasst sich dabei stets mit einer bestimmten Studie zum Thema Aphasie, Dysarthrie, Sprechapraxie oder neurogener Dysphagie.  Diese lässt sich in der Teamsitzung, zum Ausklang des Arbeitstages oder auf dem Weg zur Praxis bequem als Podcast über alle bekannten Plattformen anhören. Die einzelnen Folgen sind zum Mit- und Nachlesen auch als PDF verfügbar. Sie finden den Downloadbutton als Symbol neben der jeweiligen Folge.

LingoScience ist ein Gemeinschaftsprojekt von dem dbs und Lingo Lab. Was Sie im Einzelnen erwartet, sehen Sie in der Kurzbeschreibung der jeweiligen Folge.

Wenn Sie gezielt nach einzelnen Autor:innen, Störungsbildern oder Themen suchen, können Sie das auf der Homepage von Lingo Lab tun.

#73 Verstehst du? Gruppenintervention für Sprachverständnistraining bei Vorschulkindern​

Diese Interventionsstudie untersucht die Verbesserung des Sprachverständnisses von Kindern mit SES und zeigt auf, dass es viel Sinn ergibt, das Sprachverständnis zu fördern, da dies die Grundlage für die produktiven Fähigkeiten bildet.

Acosta‐Rodríguez, V. M., Ramírez‐Santana, G. M., and Hernández‐Expósito, S. (2022). Intervention for oral language comprehension skills in preschoolers with developmental language disorder. International Journal of Language & Communication Disorders, 57(1), 90–102.

#72 Schluck- und Stimmstörungen nach Intubation bei COVID

Frühere Studien zeigen, dass 56% der an CoViD-19 erkrankten Personen bei Entlassung aus dem Krankenhaus eine Dysphonie aufweisen. Die Auswirkungen der Intubation als Teil der CoViD-19-Behandlung aufs Schlucken und die Stimme sind international unklar, ebenso wie der Bedarf an Dysphagie- und Dysphonie-Interventionen. Ziel der Studie um Julie Regan war es die Stimm- und Schluckprobleme nach der Extubation in Irland während der ersten Welle der Pandemie zu untersuchen.

Regan, J., Walshe, M., Lavan, S. et al. (2021). Post-extubation dysphagia and dysphonia amongst adults with COVID-19 in the Republic of Ireland: A prospective multi-site observational cohort study. Clinical Otolaryngology, 46, 1290–1299.

#71 CIAT meets kindliche Aphasien

ISKA ist das Pendant von CIAT und als solches eine Intensiv-Gruppentherapie für Kinder mit Aphasie. ISKA steht für: Intensives Sprachtraining für Kinder mit Aphasie. Das Konzept wurde 2007 im Hegau-Jugendwerk Gailingen entwickelt, einem neurologischen Krankenhaus und Rehabilitationszentrum für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Pete Guy Spencer ist Klinischer Linguist dort und hat das Intensivtherapiekonzept ISKA nach 13 Jahren im Hinblick auf die Wirksamkeit ausgewertet (2020).

Spencer, P. G. (2020). ISKA – Intensives Sprachtraining für Kinder mit Aphasie in Anlehnung an CIAT: Besonderheiten in Therapiesetting und Diagnostik sowie Ergebnisse zur Wirksamkeit. In: Sprache · Stimme · Gehör, 44 (4), S. 199-204. DOI: 10.1055/a-1207-3520.

#70 Stottern im Vorschulalter: Die randomisierte RESTART-Studie

Es besteht kein Konsens darüber, ob bei Vorschulkindern ein direktes oder indirektes therapeutisches Vorgehen gegen Stottern ausgewählt werden sollte. Aus diesem Grund hat die Forschungsgruppe von Caroline de Sonneville-Koedoot eine vergleichende Studie durchgeführt.

De Sonneville-Koedoot C, Stolk E, Rietveld T, Franken M-C (2015) Direct versus Indirect Treatment for Preschool Children who Stutter: The RESTART Randomized Trial. PLoS ONE 10(7) :e0133758. doi:10.1371/jour-nal.pone.0133758.

#69 Keine gemischten Konsistenzen bei Dysphagie - eine berechtigte Empfehlung?

Das Ziel der Arbeitsgruppe war es, mithilfe der FEES die Auswirkungen von gemischten Konsistenzen an Dysphagie-Betroffenen zu untersuchen. Wie unterscheiden sich das Risiko einer Penetration oder Aspiration, die pharyngealen Rückstände und die Lage des Bolus bei Schluckbeginn im Vergleich zu einzelnen Konsistenzen?

Mozzanica, F., Pizzorni, N., Scarponi, L., Bazzotti, C., Ginocchio, D., and Schindler, A. (2021). Mixed consistencies in dysphagic patients: A myth to dispel. In: Dysphagia, 1–9.

#68 Ist schwerer doch leichter? Der Komplexitätsansatz bei Kindern mit Morphosyntax Defiziten

Es gibt derzeit wenig Interventionsansätze, die sich auf das Markieren von Zeitformen und Kongruenz bei Kindern fokussieren. Stephanie De Anda und ihr Team von der Universität Oregon in den USA wollten diese Lücke 2020 mit einer Fallstudie schließen. Dafür nutzen sie den sogenannten Komplexitätsansatz.

De Anda, S., Blossom, M., & Abel, A. D. (2020). A complexity approach to treatment of tense and agreement deficits: A case study. Communication Disorders Quarterly, 41(4), 250-260.

#67 Komm, wir lesen ein Buch!

Das italienische Team um Manuela Lavelli wollte mit dieser Studie die Wirksamkeit eines Elterntrainings zur Anwendung von Vorlesestrategien mit Kindern mit SES untersuchen. Dafür wurde ein achtwöchiges elternbasiertes Vorlesetrainingsprogramm durchgeführt.

Lavelli, M., Barachetti, C., Majorano, M., Florit, E., Brotto, C., und Miottello, P. (2019). Impacts of a shared book‐reading intervention for Italian‐speaking children with developmental language disorder. International journal of language & communication disorders.

#66 Stottertherapie per Telefon?! Das Camperdown Programm

Es gibt verschiedene Therapieansätze zur Behandlung des Stotterns, jedoch ist gerade in ländlichen Gegenden der Zugang zu und die Verfügbarkeit von Therapieplätzen ein Problem. Ein Lösungsansatz ist die Sprachtherapie per Telemedizin, beispielsweise durch das Camperdown Programm. Der Frage, wie erfolgreich die Teletherapie im Vergleich zur persönlichen Therapie vor Ort ist, wird in dieser Studie auf den Grund gegangen.

Carey, B., O‘Brian, S., Onslow, M., Block, S., Jones, M. & Packman, A. (2010). Randomized controlled non-inferiority trial of a telehealth treatment for chronic stuttering: the Camperdown Program. International Journal of Language and Communication Disorders, 45(1), 108-120.

#65 Leichter getan als gesagt? – Gestik bei Menschen mit Aphasie

Um Erkenntnisse über die Verwendung von Gesten als potenziell kompensatorisches kommunikatives Mittel für Menschen mit Aphasie zu bekommen, untersuchen Carola de Beer & Team den Einfluss unterschiedlicher Kommunikationssituationen auf den Gebrauch von Sprache und Gesten.

de Beer, C., de Ruiter, J. P., Hielscher-Fastabend, M., Hogrefe, K. (2019). The Production of Gesture and Speech by People With Aphasia: Influence of Communicative Constraints. Journal of Speech, Language, and Hearing Research, 62, 4417–4432.

#64 Semantiktherapie bei kindlichen Wortfindungsstörungen – gibt es Generalisierungen?

Viele Kinder mit Sprach-, Sprech- und Kommunikationsstörungen haben Schwierigkeiten, Wörter zu erwerben und zu verwenden. Die meisten Studien berichten von den Vorteilen eines vorwiegend phonologischen Ansatzes. Jean Wilson und ihr Team haben die Effekte einer semantischen Therapie bei Kindern mit Wortfindungsstörungen untersucht.

Wilson, J., Aldersley, A., Dobson, C., Edgar, S., Harding, C., Luckins, J., Wiseman, F., and Pring, T. (2015). The effectiveness of semantic therapy for the word finding difficulties of children with severe and complex speech, language and communication needs. Child Language Teaching and Therapy, 31(1), 7-17.

#63 Mundpflege bei Dysphagie: Verschwendete Zeit?

Aspirationspneumonien sind eine der häufigsten Todesursachen bei Patientinnen und Patienten mit Dysphagie. In dem Review von Nina Müller, Carola de Beer und Ulrike Frank von der Uni Potsdam wird der Frage nachgegangen, welche Effekte die Mundpflege auf das Pneumonierisiko von Betroffenen einer Dysphagie hat.

Müller, N., de Beer, C. und Frank, U. (2022). Ist die therapeutische Mundpflege bei Dysphagiepatienten verschwendete Zeit? Ein narrativer Review zu Effekten der Mundpflege auf die Pneumoniehäufigkeit und Ableitung einer Handlungsempfehlung. Sprache Stimme Gehör, 46(03), 150–155.

#62 Arbeitsgedächtnistraining bei Aphasie: Bringt das was?

Die Forschungsgruppe um M. Nikravesh aus dem Iran untersuchte, welche Effekte ein Training des Arbeitsgedächtnisses auf sowohl Gedächtnis- als auch sprachliche Leistungen bei Menschen mit Aphasie hat. In der Studie von 2021 berichtet sie die Ergebnisse.

Nikravesh, M., Aghajanzadeh, M., Maroufizadeh, S., Saffarian, A., and Jafari, Z. (2021). Working memory training in post-stroke aphasia: Near and far transfer effects. Journal of communication disorders, 89, 106077.

#61 ReST vs. Nuffield - Was hilft bei VED?

Die bisher durchgeführten Studien zur VED-Therapie bei Kindern weisen eine eher geringe Evidenz auf, da es sich fast ausschließlich um Nicht-RCTs, Einzelfallreihen oder Fall-Kontroll-Studien handelt. Morgan und Kollegen haben deshalb ein Cochrane Review durchgeführt, um herauszufinden, welche Therapieansätze bei verbaler Entwicklungsdyspraxie am effektivsten sind.

Morgan, A. T., Murray, E., & Liégeois, F. J. (2018). Interventions for childhood apraxia of speech. The Cochrane database of systematic reviews, 5(5), CD006278.

#60 Turnen fürs Schlucken

In der Dysphagie-Therapie gibt s verschiedene Manöver, die zur Verbesserung des Schluckens eingesetzt werden. Hierbei wird zwischen Schluck-Manövern und schluckfreien Übungen unterschieden, die sich nach dem Prinzip der Neuroplastizität positiv auf das Schlucken auswirken können. Hier stellt sich nun auch die Frage, inwieweit sich physische Übungen, die auf den ganzen Körper wirken, einen positiven Einfluss auf das Schlucken haben können.

Pu, D., & Yao, T. J. (2023). The use and effects of whole‐body exercises on swallowing function: A scoping review. International Journal of Language & Communication Disorders.

#59 MIST ist gut - nicht nur bei Pflanzen, auch bei Stottern

Multidimensionale Therapieansätze sind auf dem Gebiet der Redeflussstörungen bereits gut etabliert und integrieren sowohl verhaltensbezogene als auch emotional-kognitive Elemente. Hilda Sønsterud und ihr Team entwickelten an der Universität Oslo einen klientenzentrierten Therapieansatz namens MIST (Multidimensional Individualzed Stuttering Therapy).

Sønsterud, H., Halvorsen, M. S., Feragen, K. B., Kirmess, M., & Ward, D. (2020). What works for whom? Multidimensional individualized stuttering therapy (MIST). Journal of Communication Disorders, 88, 106052.

#58 Semantische Therapie ohne Benennen- wie gut helfen Assoziationen?

Die Arbeitsgruppe um Sara Stampacchia vermutet, dass das Beüben von unterschiedlichen Assoziationen ein erfolgreicher Ansatz für semantische Störungen sein könnte. Sie beschreiben in ihrem Artikel von 2021 eine Therapieform, bei der starke und schwache semantische Assoziationen trainiert werden. Das Forschungsteam erwartet dadurch auch eine Generalisierung auf ungeübte Items und Aufgaben.

Stampacchia, S., Hallam, G. P., Thompson, H. E., Nathaniel, U.,, L., Smallwood, J., … & Jefferies, E. (2021). Training flexible conceptual retrieval in post-stroke aphasia. In: Neuropsychological Rehabilitation, 1–27.

#57 Myofunktionelle Störungen - Wie wirksam ist die Padovan®-Therapie?

Viola Bellingen untersuchte in ihrer Masterarbeit adie Padovan-Methode® Neurofunktionelle Reorganisation (im Folgenden Padovan-Methode® abgekürzt) auf die Wirksamkeit bei myofunktionellen Störungen. Bei der Padovan-Methode® wird die Komplexität myofunktioneller Störungen ganzheitlich aufgegriffen. Die ganzkörperlichen Übungen orientieren sich an Bewegungsmustern der physiologischen Entwicklung eines Babys zum Erwachsenen und werden rhythmisch mit gesprochenen oder gesungenen Versen begleitet.

Bellingen, V. (2017). Wirksamkeit der Padovan-Methode® bei MFS. Forum Logopadie 2 (31), 16-21.

#56 Der FAVRES-DE: Ein neues Diagnostiktool für Kognitive Kommunikationsstörungen

Während es im deutschen Sprachraum aktuell noch keine standardisierten ökonomischen Tools zur adäquaten Erkennung von Kognitiven Kommunikationsstörungen (CCD) gibt, stehen im internationalen Raum vielversprechende Möglichkeiten wie das Functional Assessment of Verbal Reasoning and Executive Strategues – kurz FAVRES – zur Verfügung. Die Arbeitsgruppe um Dr. Jana Quinting aus Köln verfolgte daher das Ziel, das FAVRES ins Deutsche zu übersetzen, um damit die Diagnostik und Versorgung von Personen mit CCD in Deutschland zu verbessern.

Quinting, J., Stenneken, P., Mahlke, A., Beer, C. de, Hogrefe, K., Hussmann, K., … & Jonas, K. (2022). Measuring verbal reasoning and executive strategies in german speaking people with cognitive-communication disorders: Cross-cultural adaptation and pilot testing of the FAVRES-DE. Aphasiology, 1–23.

#55 FOIS-Ernäherungsskala: Jetzt validiert fürs Deutsche

Die Functional Oral Intake Scale – kurz FOIS – wurde 2005 entwickelt und besitzt eine gute Reliabilität, Validität und Sensitivität. Das Ziel der Forschungsgruppe um Samra Hamzic vom Universitätsklinikum in Giessen und Marburg war es, eine kulturspezifische Übersetzung des FOIS für das Deutsche zu gestalten und diese zu validieren. Die Ergebnisse werden in der Studie von 2021 berichtet.

Hamzic, S., Braun, T., Juenemann, M., Butz, M., Voswinckel, R., Belly, M., … & Gerriets, T. (2021). Validation of the German version of functional oral intake scale (FOIS-G) for flexible endoscopic evaluation of swallowing (FEES). Dysphagia, 36(1), 130-139.

#54 Kinder fördern heißt Eltern fördern: Frühzeitige Elternintervention bei Late Talkern

Ungefähr die Hälfte von Late Talkern haben später eine Sprachentwicklungsstörung. Vor allem für diese Kinder ist eine frühzeitige Intervention, zum Beispiel in Form eines Elternprogramms, wichtig. Um die mittel- und langfristigen Effekte eines solchen Programms zu untersuchen, führten Kruythoff-Broekman et al. in den Niederlanden eine quasi-experimentelle Studie durch.

Kruythoff-Broekman, A., Wiefferink, C., Rieffe, C., & Uilenburg, N. (2019). Parent-implemented early language intervention programme for late talkers: parental communicative behaviour change and child language outcomes at 3 and 4 years of age. International journal of language & communication disorders, 54(3), 451–464.

#53 Reale Angst virtuell besiegen - VR in der Stottertherapie II

Das Ziel der aktuellen Studie von Ian Chard und Nejra van Zalk aus London ist die Durchführung einer randomisiert-kontrollierten Pilotstudie zur Bewertung der Wirksamkeit von VRET (Virtual Reality Exposure Therapy) in Bezug auf die Verringerung sozialer Ängste bei Personen, die stottern.

Chard, I., van Zalk, N. & Picinali, L. (2023). Virtual reality exposure therapy for reducing social anxiety in stuttering: A randomized controlled pilot trial. Front. Digit. Health, 5, 1061323.

#52 In vivo goes digital - VR in der Stottertherapie I

In den letzten Jahren hat sich Virtual Reality (VR) als ein vielversprechendes Instrument für die Durchführung von Expositionstherapien entwickelt. Virtual Reality Exposure Therapy (VRET) nutzt virtuelle Umgebungen, um Patientinnen und Patienten angstauslösenden Reizen auszusetzen.

Chard, I. & van Zalk, N. (2022). Virtual Reality Exposure Therapy for Treating Social Anxiety: A Scoping Review of Treatment Designs and Adaptation to Stuttering. Front. Digit. Health, 4, 842460. doi: 10.3389/fdgth.2022.842460.

#51 SIPARI - die Aphasie wegsingen

Sprache und Musik haben Melodie und Rhythmus als Grundelemente gemeinsam. Die menschliche Stimme bietet quasi eine Art ‚Instrument‘, um diese Strukturelemente in der Musik und auch in der Sprache auszudrücken. Ebenso sind die motorische Kontrolle und kognitive Funktionen für beide Domänen von großer Bedeutung. Ausgehend von diesen Voraussetzungen wurde das rhythmisch-melodische Stimmtraining SIPARI für die sprachliche Rehabilitation entwickelt. Diese wird hier in einer Kontrollgruppestudie auf ihre Wirksamkeit bei nicht-flüssiger Aphasie überprüft.

Jungblut, M., Mais, C., Binkofski, F.C., Schüppen, A. (2022). The efficacy of a directed rhythmic-melodic voice training in the treatment of chronic non-fluent aphasia—Behavioral and imaging results. J Neurol 269, 5070–5084.

#50 Die Sprache ein Tanz - und umgekehrt! Rhythmische Cues in der Therapie von Morbus Parkinson

Die Jubiläumsfolge mit dem Titel "Die Sprache ein Tanz - und umgekehrt! Rhythmische Cues in der Therapie von Morbus Parkinson" befasst sich mit der interessanten Frage, inwieweit sich Tanztraining positiv auf das Sprechen auswirken kann und umgekehrt.

Rösch, A.D., Taub, E., Gschwandtner, U. & Fuhr, P. (2022). Evaluating a Speech-Specific and a Computerized Step-Training-Specific Rhythmic Intervention in Parkinson’s Disease: A Cross-Over, Multi-Arms Parallel Study. Front. Rehabilit. Sci. 2:783259. doi: 10.3389/fresc.2021.783259

#49 Arbeitsgedächtnis bei SES – lohnt ein Training?

Die Studie von Victor Acosta und Kollegen vom Fachbereich Psychologie an der Universität La Laguna in Spanien untersuchte die Wirksamkeit eines Arbeitsgedächtnistrainings bei Kindern mit SES und ob diese Art von Intervention auch die lexikalisch-semantischen Fähigkeiten verbessern kann.

Acosta, V., Hernandez, S., & Ramirez, G. (2019). Effectiveness of a working memory intervention program in children with language disorders. Applied Neuropsychology: Child, 8(1), 15-23.

#48 TUF-Therapie: maximale Herausforderung, maximale Erfolge

Die Studie von Cynthia Thompson und Lewis Shapiro zur Syntax-Therapie bei Agrammatismus ist wegweisend für das Verständnis von Agrammatismus und offenbart einige Aspekte, die für unser therapeutisches Handeln bedeutsam sind. So ist es meist üblich, den Schwierigkeitsgrad langsam und allmählich zu steigern. In der Syntaxtherapie sollten wir darüber nachdenken, gleich mit schwierigen Aufgaben einzusteigen.

Thompson, C., & Shapiro, L. (2005). Treating agrammatic aphasia within a linguistic framework: Treatment of Underlying Forms. Aphasiology, 19(10-11), 1021-1036.

#47 Sind die gängigen Stottertherapien überhaupt wirksam?

Studien über die Effektivität von Stottertherapien in Deutschland zeigen laut Euler und Team (2014) nur recht selten einen hohen Qualitätsstandard, es gibt jedoch einige Vorzeigebeispiele, die in der aktuellen Folge vorgestellt werden. In der Studie wurde eine retrospektive Bewertung der Behandlung durch die Betroffenen selbst vorgenommen, um die Wirksamkeit der aktuell durchgeführten Stottertherapien in Deutschland zu vergleichen.

Euler, H. A., Lange, B. P., Schröder, S., & Neumann, K. (2014). The effectiveness of stuttering treatments in Germany. Journal of fluency disorders, 39, 1-11.

#46 Gar nicht so einfach: Klinische Entscheidungsfindung bei phonologischen Störungen

Es gibt mindestens 46 verschiedene Therapieansätze zur Behandlung phonologischer Störungen bei Kindern. Viele Sprachtherapierende bevorzugen dabei klassische Methoden gegenüber neueren Ansätze, auch bei ähnlicher Evidenz. Hegarty und ihr Team führten eine qualitative Studie durch, mit dem Ziel die Entscheidungsprozesse von Sprachtherapierenden zu untersuchen.

Hegarty, N., Titterington, J., & Taggart, L. (2021). A qualitative exploration of speech-language pathologists’ intervention and intensity provision for children with phonological impairment. International Journal of Speech-Language Pathology, 23 (2), 213-224.

#45 Update Dysphagietherapie: Was funktioniert wirklich?

Der dritte Teil der aktuellen Evidenzübersicht des Masterstudiengangs Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie an der HAWK Hildesheim beschäftigt sich nun mit dem "State of the Art" der Dysphagietherapie. Es wurde auch hier eine systematische Literaturrecherche gemacht, welche die wichtigsten Forschungserkenntnisse aus den letzten fünf Jahren bei Erwachsenen mit neurogener Dysphagie zusammenträgt und bewertet.

Heber, N., Petry, J., Schomaker, J., Wippich, C., Beushausen, C. & Grötzbach, H. (2022): Update Dysphagie: Aktuelle evidenzbasierte Empfehlungen für die Therapie der neurogenen Dysphagie. In: Neurologie & Rehabilitation, 28 (1).

#44 Aphasietherapie - Was hilft wann?

Die Wahl einer geeigneten und wirksamen Therapiemethode bei Aphasie ist oftmals eine Herausforderung für Sprachtherapierende. Leitlinien können dabei hilfreiche Anhalts-punkte für die Entscheidungsfindung bieten. Allerdings fehlt es im Therapiealltag häufig an der nötigen Zeit, sich entsprechend in Leitlinien einzuarbeiten. Das Ziel der Arbeitsgruppe um Bürkle (2022) war es daher, einen Überblick über aktuelle Evidenzen der Aphasietherapie unterteilt nach Krankheitsstadium (akut, postakut, chronisch) zu geben.

Bürkle, L., Collasius, V., Djuric, A., Heinemann, S., Beushausen, U. & Grötzbach, H. (2022): Update Aphasietherapie: Aktuelle evidenzbasierte Empfehlungen für die Sprachtherapie bei Aphasie. In: Neurologie & Rehabilitatation, 28 (1), 7–15.

#43 Dysarthrietherapie: Neuester Stand der Empfehlungen

Das Team der Masterstudierenden Krämer, Müller, Schneider und Vöcks, betreut von Prof. Dr. Ulla Beushausen und Holger Grötzbach hat für seinen Artikel von 2022 evidenzbasierte Empfehlungen für die Sprachtherapie bei Dysarthrophonie zusammengefasst. Im Rahmen einer systematischen Literaturrecherche wurden aktuelle Leitlinien und RCTs, also randomisiert kontrollierte Studien, betrachtet.

Krämer, J., Müller, C., Schneider, C., Vöcks, N., Beushausen, U. & Grötzbach, H. (2022): Update Dysarthrie: Aktuelle evidenzbasierte Empfehlungen für Sprachtherapie bei Dysarthrie. In: Neurologie & Rehabilitation, 28(1), 25–30.

#42 Schau, was du machst! Biofeedback in der Schlucktherapie

Angesichts der Bedeutung von Feedback wurde der Einsatz von Biofeedback-Geräten, vor allem die Oberflächen-Elektromyographie (sEMG), zunehmend in der Therapie der Dysphagie eingesetzt. sEMG kann Echtzeit-Biofeedback zur quantitativen Muskelaktivität liefern und hilft bei einer eingeschränkten Sensomotorik, das was man eigentlich fühlt, nun über einen anderen Kanal, nämlich das Sehen rückgemeldet zu bekommen. Das fördert das Bewusstsein und dadurch die Kontrolle der Muskelaktivierung und -entspannung und ermöglicht eine Verbesserung der motorischen Genauigkeit und Koordination während des Schlucks. Sara Nordio und Kollegen von der (IRCCS) Klinik San Camillo und der Universität Padua in Italien führten eine randomisierte kontrollierte Studie an Betroffenen mit Dysphagie nach einem Schlaganfall durch, um die Wirksamkeit von sEMG zu überprüfen.

Nordio, S., Arcara, G., Berta, G., Dellai, A., Brisotto, C., Koch, I., Cazzador, D., Aspidistra, M., Ventura, L., Turolla, A., D’Imperio D. & Battel, I. (2021). Biofeedback as an adjunctive treatment for post-stroke dysphagia: a pilot-randomized controlled trial. Dysphagia, 37(5), 1207-1216.

#41 Melodische Intonationstherapie - eine Kakophonie der Evidenzen

Mit der MIT sollen Betroffene durch Singen eine neue Art des Sprechens erlernen können. Anna Zumbansen, Isabelle Peretz und Sylvie Hébert von der Uni Montreal haben einen kritischen Literaturüberblick dazu verfasst. Sie schlagen grundlegende Klarstellungen vor, um die wissenschaftliche Unterstützung für diese vielversprechende Behandlung zu verbessern.

Zumbansen, A., Peretz, I. & Hébert, S. (2014). Melodic intonation therapy: Back to basics for future research. Frontiers of Neurology, 5 (7), 2-11.

#40 LSVT bei Parkinson: Top oder Flop?

Verschiedene Reviews untersuchten die Wirksamkeit verschiedener Formen der Sprachtherapie bei Morbus Parkinson, kamen jedoch zu dem Schluss, dass es keine ausreichenden Belege gibt, eine bestimmte Form der Sprachtherapie einer anderen vorzuziehen. Die Forschungsgruppe um Catherine Sackley aus Birmingham hat sich nun dieses Großprojekts angenommen, um die klinische und ökonomische Effektivität von LSVT LOUD® im Vergleich zu Standard-Sprachtherapie sowie keiner Intervention bei Dysarthrie im Zusammenhang mit Parkinson aussagekräftig, d. h. mit einer ausreichend hohen Probandenzahl und gut kontrollierten Messparametern zu vergleichen.

Sackley, C., Smith, C. H., Rick, C. E., Brady, M. C., ..., Clarke, C. E. (2018). Lee Silverman Voice Treatment versus standard speech and language therapy versus control in Parkinson’s disease: a pilot randomised controlled trial. Pilot and Feasibility Studies, 4, 30-40.

#39 UK als Mittel Diskurstherapie bei Aphasie?

Der Einsatz von UK-Geräten in der Aphasietherapie ist nach wie vor wenig erforscht. Sicher ist aber, dass die Verwendung von UK-Methoden die gesprochene Sprache unterstützt und nicht hemmt, wie es nach wie vor teilweise befürchtet wird. Die Ergebnisse der Studie von Dietz und Team dienen als weiterer Nachweis für die hilfreiche Funktion von UK-Hilfen bei Aphasie und Wortfindungsstörungen.

Dietz, A., Vannest, J., Maloney, T., Altaye, M., Holland, S., Szaflarskic, J. P. (2018). The feasibility of improving discourse in people with aphasia through AAC: clinical and functional MRI correlates. Aphasiology, 32(6), 693–719.

#38 Hustenfrequenz als Prädiktor für Aspirationsgefahr

Das Team um Anna Maria Pekacka-Egli vom Zürcher RehaZentrum Wald beschäftigt sich mit der spontanen Hustenfrequenz bei Dysphagie. Ab wann ist die auffällig? Wie lässt sich das messen? Und welche Aussage lässt sich ableiten?

Pekacka-Egli, A. M., Kazmierski, R., Lutz, D., Kulnik, S. T., Pekacka-Falkowska, K., Maszczyk, A., Windisch, W., Boeselt, T., & Spielmanns, M. (2021). Predictive Value of Cough Frequency in Addition to Aspiration Risk for Increased Risk of Pneumonia in Dysphagic Stroke Survivors: A Clinical Pilot Study. Brain Sci, 11, 847-859.

#37 Logopädische Therapie bei Demenz - Macht das Sinn?

Wenn das Gedächtnis abbaut, ist dann ein Lernen überhaupt möglich? Wie lässt sich der Verlust von kognitiven Funktionen aufhalten? Kann eine logopädische Therapie helfen? Und wenn ja, wie? Diese Fragen hat sich das Team um Jelcic aus Padua gestellt. Die spannenden und differenzierten Antworten finden sich in der neuen Folge von LingoScience, dem Logostudienpodcast rund um neurologische Störungsbilder der Sprachtherapie.

Jelcic, N., Cagnin, A., Meneghello, F., Turolla, A., Ermani, M., Dam, M. (2012). Effects of Lexical-Semantic Treatment on Memory in Early Alzheimer Disease: An Observer-Blinded Ran-domized Controlled Trial. Neurorehabilitation and Neural Repair, 26(8), 949–956.

#36 Apps sind hilfreich für die Kommunikation – wenn man sie gut anpasst

Menschen mit eingeschränkten kommunikativen Möglichkeiten haben in der Gesellschaft oft einen erschwerten Zugang zu Informationen oder Dienstleistungen. Geschäftliche und soziale Interaktion findet außerdem zunehmend online statt. Crook und Team untersuchen den Nutzen und die Anwendbarkeit von mobilen Apps zur Erleichterung der Alltagskommunikation. Sie bringen Betroffen und Mitarbeitende von Unternehmen zusammen und finden heraus, was beiden Gruppen wichtig ist und wie Apps das Leben leichter machen können (oder auch nicht).

Crook, A., Kenny, J., Johnson, H., & Davidson, B. (2017). Perspectives of a mobile application for people with communication disabilities in the community. Disability and Rehabilitation: Assistive Technology, 12(2), 184-196.

#35 Wortflüssigkeits-Index: Checkliste für den natürlichen Wortabruf bei Aphasie

Üblicherweise wird der Wortabruf bei Personen mit Aphasie über das Bildbenennen erfasst. Der Einzelwortabruf beim Benennen von Bildern lässt allerdings nicht unbedingt auf die Leistungen beim zusammenhängenden Sprechen schließen. Wie lässt sich aber die Benennfähigkeit beim natürlichen Sprechen schnell und unkompliziert messen? Dafür haben Alyahya und Team letztes Jahr ein interessantes Instrument entworfen.

Alyahya, R. S. W., Conroy, P., Halai, A. D. & Lambon Ralph, M. A. (2021). An efficient, accurate and clinically-applicable index of content word fluency in Aphasia. In: Aphasiology, 1–19.

#34 Aktives Training vor Umwegstrategien im Dysphagiemanagement

In der Dysphagietherapie wird häufig auf kompensatorische Strategien zurückgegriffen, um strukturelle und physiologische Defizite auszugleichen. Zimmermann, Carnaby, Lazarus & Malandraki plädieren aber für ein aktives Training des Schluckens.

Zimmerman, E., Carnaby, G., Lazarus, C. L., Malandraki, G. A. (2020). Motor Learning, Neuroplasticity, and Strength and Skill Training: Moving from Compensation to Retraining in Behavioral Management of Dysphagia. American Journal of Speech-Language Pathology, 29, S. 1065–1077.

#33 Verbesserte Artikulation bei Dysarthrie durch Drill- und Minimalpaarübungen

Artikulatorische Ungenauigkeit ist ein Hauptmerkmal der Dysarthrie. Bisher gibt es wenige Studien zu direkten Therapieverfahren, die einen positiven Einfluss auf die Verständlichkeit und Artikulation haben. Aus diesem Grund hat sich die Antwerpener Forschungsgruppe um Mendoza Ramos mit der Frage beschäftigt, ob eine intensive segmentale Therapie positive Effekte auf die Artikulation bei Menschen mit Dysarthrie haben kann.

Mendoza Ramos, V., Paulyn, C., Van den Stehen, L., Hernandez-Diaz Huici, M. E., De Bodt, M. & Van Nuffelen, G. (2021). Effect of boost articulation therapy (BArT) on intelligibility in adults with dysarthria. Int J Lang Commun Disord, 56 (2), 271-282.

#32 Mut zur Lücke - Training der Flexibilität fester Phrasen bei Aphasie

Die vorliegende Studie um Claudia Bruns untersucht, ob hochfrequente Phrasen als Ausgangspunkt genutzt werden können, um eine größere Kapazität an Sätzen bei Betroffenen mit nicht-flüssiger Aphasie zu stimulieren.

Bruns, C., Beeke, S., Zimmerer, V. C., Bruce, C. & Varley, R. A. (2021). Training flexibility in fixed expressions in non-fluent aphasia: A case series report. Int J Lang Commun Disord, 56, 1009–1025.

#31 Das nicht-lineare Gestenmodell: Neue Perspektiven für Sprechapraxie

Bei der Sprechapraxie geht das Wissen über die korrekte Koordination der Sprechorgane verloren. Das nicht-lineare Gestenmodell NLG sieht Wörter als hierarchisch organisierte Bündel von artikulatorischen Gesten. Es wird angenommen, dass einige Artikulationsmuster weniger anfällig sind als andere. Der NLG-Ansatz hilft, jene Faktoren zu bestimmen, die dafür sorgen, dass die Artikulation bei Sprechapraxie gelingen kann.

Ziegler, W., Lehner, K., Pfab, J., & Aichert, I. (2020). The nonlinear gestural model of speech apraxia: Clinical implications and applications. Aphasiology. doi: 10.1080/02687038.2020.1727839.

#30 Kein Standardvorgehen in der akuten Aphasietherapie – Ein Blick hinter die Kulissen

Wie sieht die „usual care“-Therapie im akuten Aphasie-Stadium aus? Wie gehen Therapierende vor? Welche Methoden werden in welchem Umfang angewandt? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Studie von Brogan und Team aus dem Jahr 2020.

Brogan,E., Godecke,E., & Ciccone,N. (2020). Behind the therapy door: what is “usual care” aphasia therapy in acute stroke management? Aphasiology, 1–23. doi: 10.1080/02687038.2020.1759268.

#29 Aphasiefreundliche Speisekarten für mehr Partizipation

Personen mit Aphasie haben oft einen erschwerten Zugang zu Informationen in ihrem Umfeld, das gilt auch und besonders während Krankenhausaufenthalts. Francis & Team entwarfen eine digitale Speisekarte, von der Personen mit Aphasie mit Unterstützung durch ihre Logopädin bestellen konnten.

Francis, K., Swan, K., Rose, T., Hopper, M., Hopper, Z., Hughes, I., … & Wenke, R. (2021). The use and impact of a supported aphasia-friendly photo menu tool on iPads in the inpatient hospital setting: a pilot study. Aphasiology, 35(1), 148-168.

#28 Funktioniert die FSA auch bei Aphasie mit Sprechapraxie?

„Welchen Einfluss hat die Sprechapraxie auf den Erfolg der Aphasietherapie?“, fragte sich das Team um Lyndsey Nickels und Kirrie J. Ballard aus Australien. In ihrer Studie aus dem Jahr 2020 soll untersucht werden, wie Menschen mit alleiniger Aphasie oder Aphasie in Kombi mit einer Sprechapraxie auf die semantische Merkmalsanalyse (semantic feature analysis, kurz SFA) ansprechen.

Scholl, D. I., McCabe, P., Nickels, L. & Ballard, K. J. (2020). Outcomes of semantic feature analysis treatment for aphasia with and without apraxia of speech. Int J Lang Commun Disord, 56(3), 485–500.

#27 Kann MFT nach Garliner wirklich das Schluckmuster verbessern?

In der klinischen Praxis zeigen sich gute Erfahrungen mit MFT nach Garliner, die wissenschaftliche Evidenzlage ist jedoch nach wie vor sehr dünn. Es braucht eine objektive quantitative und qualitative Messung um belastbare Aussagen zur Wirksamkeit treffen zu können. Diese Lücke versuchen Begnoni et al. zu schließen.

Begnoni, G., Dellavia, C., Pelligrini, G., Scarponi, L., Schindler, A., Pizzorni, N. (2020). The efficacy of myofunctional therapy in patients with atypical swallowing. Eur Arch Otorhinolaryngol, 277, 2501-2511.

#26 Aphasietherapie – Worauf kommt es an?

Viel hilft viel in der Aphasietherapie, so der allgemeine Tenor. Doogan und Team (2018) haben sich das Zusammenspiel von Dosis, Intensität, Zeitpunkt und zeitlicher Verteilung in der Therapie genauer angeschaut und kommen zu anderen Schlüssen.

Doogan, C., Dignam, J., Copland, D., Leff, A. (2018): Aphasia Recovery: When, how and who to treat?. Current Neurological Neuroscience Report,18-90.

#25 Sind Schluckstörungen unterdiagnostiziert? – Das Schluckverhalten bei Erwachsenen zwischen 18 und 65 Jahren

Schluckstörungen treten bekanntermaßen nach Schlaganfällen oder bspw. bei Demenzerkrankungen auf. Leslie und Smithard untersuchten in einer Fragebogenstudie die Prävalenz von Schluckstörungen und kamen dabei zu spannenden Ergebnissen.

Leslie, P. & Smithard, D.G. (2021). Is dysphagia under diagnosed or is normal swallowing more vari-able than we think? Reported swallowing problems in people aged 18-65 years. In: Dysphagia, 36 (5), 910–918. doi.org/10.1007/s00455-020-10213-z.

#24 PMT bei Sprechapraxie – Sokrates lässt grüßen

Der phonomotorische Therapieansatz (kurz PMT) vereint Sprachproduktion und Wahrnehmungsaufgaben. Im Fokus stehen Wiederholung, Modellierung, verbale Aufforderungen, visuelle Reize und hochfrequentes Üben.

Bislick, L. (2020). A Phonomotor Approach to Apraxia of Speech Treatment. American Journal of Speech-Language Pathology, 29. 2109–2130. https://doi.org/10.1044/2020_AJSLP-19-00116.

#23 BELS – ein neues Diagnostikinstrument für Frontalhirn-Aphasie

Der Brief Executive Language Screen BELS erfasst die wichtigsten sprachlichen und exekutiven Funktionen, die für die Spontansprache benötigt werden und ergänzt damit bisherige Aphasiediagnostikverfahren.

Robinson, G. A., Shi, L., Nott, Z., & Ceslis, A. (2021). A brief executive language screen for frontal aphasia. Brain Sciences, 11(3). doi.org/10.3390/brainsci11030353.

#22 Lebensqualität bei Aphasie – Wie wichtig sind Exekutivfunktionen?

Nicholas und Team vergleichen die sprachlichen und exekutiven Leistungen in Bezug auf die Lebensqualität bei Menschen mit Aphasie und machen dabei eine spannende Entdeckung.

Nicholas, M., Hunsaker, E. & Guarino, A. J. (2017). The relation between language, non-verbal cogni-tion and quality of life in people with aphasia. Aphasiology, 31 (6), 688-702.

#21 Messung der allgemeinen Kommunikationsfähigkeit: Das schafft nur der Szenario-Test

Wie kann natürliche Kommunikation definiert oder gemessen werden? Welche bereits vorhandenen Diagnostikmittel werden einer theoretischen Definition gerecht?

Doedens, W. J. and Meteyard, L. (2020). Measures of functional, real-world communication for aphasia: a critical review. Aphasiology, 34 (4). pp. 492-514.

#20 Sprachtherapie und Pandemie – was hat sich verändert?

Die Corona-Pandemie bedeutet viele Herausforderungen in allen Lebensbereichen. Auch auf die Neurorehabilitation hat sich die Pandemie ausgewirkt. Vieles deutet auf eine wichtige Rolle der Sprachtherapie in diesem Zusammenhang hin.

Chadd, K., Moyse, K. & Enderby, P. (2021). Impact of COVID-19 on the Speech and Language Therapy Profession and Their Patients. Front. Neurol. 12:629190. DOI: 10.3389/fneur.2021.629190.

#19 Was hilft bei Dysphagie? McNeill-Therapie, Elektrostimulation oder beides?

Das McNeill-Programm wurde bereits durch mehrere Studien evaluiert. Die Studie von Carnaby und ihrem Team untersuchte nun die Wirksamkeit des McNeill-Programms mit begleitender NMES bei Dysphagie nach Schlaganfall im postakuten Stadium.

Carnaby, G. D., LaGorio, L., Silliman, S., Crary, M. (2020). Exercise-based swallowing intervention (McNeill Dysphagia Therapy) with adjunctive NMES to treat dysphagia post-stroke: A double-blind placebo-controlled trial. J Oral Rehabil, 47, 501–510. DOI: 10.1111/joor.12928.

#18 Schlucken kann man nur durch Schlucken lernen – das McNeill-Dysphagietherapie-Programm

Das McNeill-Dysphagietherapie-Programm ist ein systematisches, übungsbasiertes Therapiekonzept für die Behandlung von Dysphagie bei Erwachsenen.

Crary, M. A., Carnaby, G. D., LaGorio, L. S., Carvajal, P. J. (2012). Functional and Physiological Outcomes from an Exercise-Based Dysphagia Therapy: A Pilot Investigation of the McNeill Dysphagia.

#17 Neurologische Marker als Vorhersagewerte für Dysphagie bei Schlaganfall? Der ASPECT-Score

Die aktuelle Standard-Versorgung nach einem Schlaganfall beinhaltet die Durchführung eines Dysphagie-Screenings. Aber obwohl die meisten Screenings eine gute Sensitivität aufweisen, wurde bis jetzt keines davon als Gold-Standard akzeptiert.

Lapa, S., Foerch, C., Singer, O.C., Hattingen, E. & Luger, S. (2021): Ischemic lesion location based on the ASPECT score for risk assessment of neurogenic dysphagia. In: Dysphagia, 36 (5). 882–890. DOI: 10.1007/s00455-020-10204-0.

#16 Exekutive Dysfunktion und funktionale Kommunikation – ein (un-)klarer Zusammenhang

Exekutive Funktionen, Aphasie und Kommunikation – wie hängen diese drei Begriffe zusammen? Diese zentrale Frage stellt sich die schwedische Arbeitsgruppe Camilla Olsson, Patrik Arvidsson und Monica Blom Johansson in ihrem Artikel von 2019.

Olsson, C., Arvidsson, P. & Blom Johansson, M. (2019). Relations between executive function, language, and functional communication in severe aphasia. Aphasiology, 33(7), 821–845. DOI: 10.1080/02687038.2019.1602813.

#15 Der erste Buchstabe hilft – auch, wenn Anlauthilfen dies nicht tun!

Welche Art von Hilfestellungen sind in der Therapie von Wortfindungsstörungen bei Personen mit Aphasie wirklich effektiv? Und welche Mechanismen stecken dahinter?

Lorenz, A. & Nickels, L. (2007). Orthographic cueing in anomic aphasia: How does it work? Aphasiology, 21:6-8, 670-686. DOI: 10.1080/02687030701192182.

#14 Training für die Zunge – Novafon vs. Spatel

Das Novafon wurde bis dato noch kaum in Studien zur Verbesserung der Zungenkraft untersucht. Deshalb haben Marianna Hricová und Sina Hammer ausgewertet, ob die Anwendung bei Störungen im Rahmen einer neurogenen Dysphagie nach Schlaganfall wirksam ist.

Hricová, M. & Hammer, S. (2021). Lokale Vibrationstherapie in der Neurorehabilitation – Eignet sich der intraorale Vibrationsspatel zur Verbesserung der Zungenkraft bei Schlaganfallpatienten? – Eine Pilotstudie. In Sprache Stimme Gehör, 45. S. 1–6.

#13 Macht ein Schlaganfall einsam?

Warum verlieren Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben ihre Freunde? fragten sich 2011 Dr. Sarah Northcott und Prof. Katerina Hilari von der City, University of London. Das untersuchten die beiden Sprachtherapeutinnen im Rahmen einer qualitativen Biographiearbeit.

Northcott S., Hilari K. (2011). Why do people lose their friends after a stroke?. In: International Journal of Language and Communication Disorders, 46 (5). S. 524-534.

#12 Wie lassen sich alle einbinden? – Prinzipien der alltäglichen Kommunikation in der Gruppentherapie

Kommunikationsgruppen für Patienten und Patientinnen mit Aphasie sind vielerorts gängige Praxis. Sie verbessern nicht nur die sprachlichen Fähigkeiten der Patienten und Patientinnen, sondern tragen auch zu einer Verbesserung derer psychosozialen Situation bei. Ein Aspekt dabei ist das Partizipationsmanagement: Wie lässt sich erreichen, dass alle Teilnehmenden der Gruppe sich gleichermaßen an einer Gesprächssituation beteiligen, auch wenn sie unterschiedlich schwer von ihren aphasischen Symptomen betroffen sind?

Archer, Brent/Azios, Jamie H. /Gulick, Nora/Tetnowski, Jennifer (2021) Facilitating participation in conversation groups for aphasia, Aphasiology, 35:6, 764-782, DOI: 10.1080/02687038.2020.1812030.

#11 Aphasietherapie und Gehirnaktivität – Wo finden Sprachverbesserungen im Gehirn statt?

Die „Intensive language-action therapy“ (ILAT), auch bekannt als „constraint-induced therapy“ (CIAT), hat sich bereits in mehreren Untersuchungen als effektive Therapiemethode bei chronischer Aphasie erwiesen. Das Ziel der vorgestellten Studie von Dreyer war es, herauszufinden, in welchen Gehirnarealen sich die sprachlichen Verbesserungen nach der intensiven Sprachaktivierungstherapie ILAT beobachten lassen.

Dreyer, F. R., Doppelbauer, L., Büscher, V., Arndt, V., Stahl, B., Lucchese, G., … & Pulvermüller, F. (2020). Increased recruitment of domain-general neural networks in language processing following Intensive Language-Action Therapy: fMRI evidence from people with chronic aphasia. American Journal of Speech-Language Pathology 1–11. DOI: 10.1044/2020_AJSLP-19-00150.

#10 „People say how much it’s got better“: Generalisierung von Verbesserungen bei Aphasie

In der vorgestellten Einzelfallstudie geht es um eine mögliche Generalisierung von Therapieeffekten auf nicht geübtes Material. Kann Therapie von Wortfindungsstörungen generelle Verbesserungen in der mündlichen Produktion bewirken?

Greenwood, A., Grassly, J., Hickin, J., & Best, W. (2010). Phonological and orthographic cueing therapy: A case of generalised improvement. Aphasiology, 24(9), 991-1016.

#9 Intensivere Therapie mit einer App? Das können Patient:innen selbst!

Stark und Warburton fragen sich im Rahmen ihrer Untersuchung, ob durch Patientinnen und Patienten eigenständig durchgeführte Sprachtherapie die Intensität der Therapie unterstützen kann.

Stark, B. C. & Warburton, E. A. (2018). Improved language in chronic aphasia after self-delivered iPad speech therapy, Neuropsychological Rehabilitation, 28 (5), 818-831, DOI: 10.1080/09602011.2016.1146150.

#8 So viel steht fest: Intensive Aphasietherapie wirkt.​

Die From Controlled Experimental Trial to=2 Everyday Communication: Die von der GAB e.V. initiierte radomisiert-kontrollierte Interventionsstudie untersucht die Wirksamkeit von Sprachtherapie bei Menschen mit chronischen Aphasien. 156 Patient*innen aus deutschlandweit 19 Einrichtungen haben daran teilgenommen.

Breitenstein, C., Grewe, T., Flöel, A., Ziegler, W., Springer, L., Martus, P., et al. (2017). Intensive speech and language therapy in patients with chronic aphasia after stroke: a randomised, open-label, blinded-endpoint, controlled trial in a health-care setting. Lancet, 389(10078), 1528-1538.

#7 Verbal-gestische oder semantisch-phonologische Aphasietherapie? Welche hilft wem?

In dieser LingoScience-Folge geht es erneut um den mündlichen Verbabruf. Die Studie von Rodriguez, Raymer und Gonzalez Rothi hatte zum Ziel, die Effekte von zwei verschiedenen Therapiemethoden zum Verbabruf zu vergleichen.

Rodriguez, A. D., Raymer, A. M., & Gonzalez Rothi, L. J. (2006). Effects of gesture+verbal and semantic-phonologic treatments for verb retrieval in aphasia. Aphasiology, 20(2–4), 286–297. https://doi.org/10.1080/02687030500474898.

#6 Effektive Aphasietherapie: Kennst du RITA?

Zu Therapiemethoden bei Wortfindungsschwierigkeiten gibt es unzählige Studien. Doch was hilft? Mit welcher Methode lassen sich Generalisierungen erzielen? Und was wirkt am besten?

Sze, W. P., Hameau, S., Warren, J., & Best, W. (2021). Identifying the components of a successful spoken naming therapy: a meta-analysis of word-finding interventions for adults with aphasia. Aphasiology 35 (1). 33-72. DOI:10.1080/02687038.2020.1781419.

#5 Lexikalischer Abruf bei Aphasie? VNeST hilft nicht nur bei Verben!

Die Verb-Netzwerk-Stärkungs-Therapie verbessert den Wortabruf im Satzkontext.

Edmonds, L.A., Mammino, K., Ojeda, J. (2014). Effect of Verb Network Strengthening Treatment (VNeST) in Persons With Aphasia: Extension and Replication of Previous Findings. American Journal of Speech-Language Pathology, 23, 312-329.

#4 „Guten Tag! Ich habe Aphasie.“ Alltagskommunikation durch Skript-Training stärken

Ein strukturiertes Script-Training kann bestimmte relevante Alltagssituationen für Aphasiebetroffene vereinfachen.

Youmans, G., Holland, A., Muñoz, M. & Bourgeois, M. (2005) Script training and automaticity in two individuals with aphasia, Aphasiology, 19:3-5, 435-450.

#3 Dysarthrie: Leichte Störung, große Wirkung

Das conversational entrainment ist bei Menschen mit Dysarthrie meistens gestört, auch wenn diese nur geringgradig ausfällt. Das wiederum hat große Auswirkungen auf den Erfolg von Alltagskommunikation.

Borrie, S. A., Barrett, T. S., Liss, J. M., & Berisha, V. (2020). Sync pending: Characterizing conversational entrainment in dysarthria using a multidimensional, clinically-informed approach. Journal of Speech, Language, and Hearing Research, 63(1), 83–94.

#2 Training der Atemmuskulatur: Die neue Dysphagietherapie?

Das hier durchgeführte sechswöchige kombinierte Training von Einatmungs- und Ausatemmuskulatur konnte keinen positiven Effekt auf die exspiratorische Muskelkraft, das Schlucken oder die Stimmqualität demonstrieren. Warum es trotzdem sinnvoll ist, Atemtraining in die Dysphagietherapie einzubinden.

Liaw, M. Y., Hsu, C. H., Leong, C. P., Liao, C. Y., Wang, L. Y., Lu, C. H., & Lin, M. C. (2020). Respiratory muscle training in stroke patients with respiratory muscle weakness, dysphagia, and dysarthria–a prospective randomized trial. Medicine, 99(10).

#1 Aphasietherapie: Mehr ist mehr!

Dieser Studie zufolge gilt, dass eine intensive Aphasietherapie über eine kurze Zeitspanne effektiver ist, als eine weniger intensive Therapie über eine längere Zeitspanne hinweg.

Bhogal, S. K., Teasell, R. W., Foley, N. C., & Speechley, M. R. (2003). Rehabilitation of aphasia: more is better. Topics in Stroke Rehabilitation, 10(2), 66-76.

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