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Wieder mal falsche Hoffnung: Neue App für die Stottertherapie?

Montag, 27. Januar 2020, 14:15 Uhr, Alter: 167 Tage

Seit Anfang des Jahres erhalten Mitglieder der sprachtherapeutischen Berufsverbände Mails, in denen die Internetseiten www.nichtstottern.de und www.2befluent.com sowie die Google-App 2bfluent angepriesen werden. Versprochen wird darin, dass die „Betroffenen bei Anwendung der App völlig einwandfrei sprechen“ und sie dies von einer Sprachtherapie unabhängig trainieren können.

 

Abgesehen davon, dass die deutsche Seite katastrophal schlecht übersetzt ist und die App nur auf Englisch vorliegt, ist das, was als „innovative Methode zur Bekämpfung des Stotterns“ präsentiert wird, weder innovativ noch funktional und macht sowohl Betroffenen als auch Therapeuten unrealistische Versprechungen.

 

Wir raten dringend von der Installation und therapeutischen Verwendung der Homepage und App ab:

  • Der angeblich innovative Soundeffekt beruht auf den altbekannten Prinzipien der verzögerten auditiven Rückkopplung und der Maskierung des eigenen Sprechklangs. Dass beide Effekte stotternden Menschen zu flüssigerem Sprechen verhelfen, solange sie akustisch präsentiert werden, aber so gut wie keine Transfereffekte haben, ist seit den frühen 1970er Jahren bekannt.

  • Verfahren, die funktionieren, solange ein Kopfhörer getragen und das Sprechen elektronisch verzögert wird, aber sofort ihre Wirkung verlieren, sobald sie abgeschaltet sind, werden in der Therapeutengemeinschaft als „elektronische Krücken“ bezeichnet. Sie können zwar kurzfristig Mut machen, dass flüssiges Sprechen möglich ist, sind aber darüber hinaus therapeutisch weitgehend sinnlos, weil sie das Stottern nur durch andere Auffälligkeiten ersetzen (verzögertes Sprechen, irritierender Sprechrhythmus, Funktion nur mit Kopfhörern).

  • Laut Leitlinie Redeflussstörungen bieten Therapieangebote, die „kurzfristig eine Heilung vortäuschen [und] auf eine reine Veränderung der Sprechweise abzielen, …keine langfristige Übertragbarkeit in den Alltag.“ (Leitlinie S. 102/103)

  • Ebenfalls aus der Leitlinie: „Grundsätzlich sind Verfahren, die ein Heilungsversprechen geben, als unseriös zu bewerten und abzulehnen.“ (S. 103)

  • Zu den angeblichen Evidenzen schreibt der Erfinder der Methode, er habe sie an „5 6“ (56? 5 bis 6?) Personen erprobt, die „von 60 % bis 99 % mit Stottern aufgehört“ hätten – was immer das heißen mag. Von einem weiteren Testdurchlauf wird berichtet, dass die Ergebnisse „größtenteils ein voller Erfolg“ waren. Evidenzbasierung sieht anders aus.

  • Die App ist angeblich für einen Testzeitraum von 3 Tagen kostenlos, dieser Button auf der Homepage lässt sich in unserem Test (Abrufdatum 25.01.2020) aber nicht anklicken. Tatsächlich kostet sie direkt beim Kauf in Google-Store 6,90 Euro, darin laut Homepage enthalten: die „Abonnementgebühr - Gebühr für die automatische Verlängerung - Abonnement mit der Option, das Abonnement zu pausieren oder zu kündigen (ab dem neuen Abrechnungszeitraum)“. Angaben, wie eine Kündigung erfolgen kann, fehlen jedoch.

  • Weitere AGB, ein Impressum oder Datenschutzhinweise fehlen: Die Homepage entspricht nicht   den gesetzlichen Vorgaben.

  • Die App hat keine Zulassung als Medizinprodukt und ist deshalb nicht für die Therapie bzw. als Heilmittel zu verwenden. Patienten, die sie selbst erwerben, geraten wohlmöglich in die Abofalle.

 

Fazit: NICHT herunterladen, nicht verwenden, Patienten warnen!

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