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Leitlinien im Bereich der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie

Was sind Leitlinien?

 

"Die "Leitlinien" der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften sind systematisch entwickelte Hilfen für Ärzte zur Entscheidungsfindung in spezifischen Situationen. Sie beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und in der Praxis bewährten Verfahren und sorgen für mehr Sicherheit in der Medizin, sollen aber auch ökonomische Aspekte berücksichtigen."

 

Quelle: http://www.awmf.org/leitlinien.html

Leitlinie Redeflussstörungen

Seit Anfang September 2016 findet der interessierte Sprachtherapeut, Arzt oder Patient auf der Seite der AWMF die neue Leitlinie „Pathogenese, Diagnostik und Behandlung von Redeflussstörungen“ (http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/049-013.html)

Aus Sicht des Deutschen Bundesverbandes der akademischen Sprachtherapeuten (dbs) ist eine beeindruckend patientenorientierte Leitlinie entstanden, die nicht nur die spärlich vorhandenen "harten" Evidenzen zu einigen wenigen therapeutischen Konzepten berücksichtigt, sondern dem klinischen Konsens breiten Rahmen zubilligt und ein insgesamt uneingeschränkt zustimmungsfähiges Rahmenwerk für Diagnose und Therapie entwirft.

Beispielhaft sei erwähnt, dass die vorgeschlagene Neu-Ordnung der Klassifikation von Redeflussstörungen auf den ersten Blick zwar gewöhnungsbedürftig wirken mag, diese aber nachvollziehbar auf aktuellem Ätiologiewissen gründet: Dem Vorschlag sollte daher eine Chance zur Durchsetzung gegenüber dem bisherigen Klassifizierungsschema "tonisch/klonisch" oder "idiopathisch/neurogen" gegeben werden. Insbesondere begrüßt der dbs, dass die vorgelegten Recherche-Ergebnisse nachvollziehbar interpretiert wurden.

Die Zusammenstellung des Wissensstandes zur Ätiologie und zum state of the art in Diagnose und Therapie ist beeindruckend vielschichtig und hat für Therapeuten und Verordner, die ihr Wissen auffrischen möchten, Metastudien- und Lehrbuch-Charakter.

Aus Therapeuten- und Klientensicht erscheint der klare ICF-Bezug, die eindeutige Orientierung an der Alltags-Kommunikationsfähigkeit und die fachliche Positionierung gegen monomethodische, atmungsbasierte, vom Alltag isolierte und populärwissenschaftlich in Erscheinung tretendeTherapieangebote als besonders erfreulich.
Der dbs, der durch Dr. Stephan Baumgartner († ) und Prof. Dr. Volker Maihack an der LL- Erstellung beteiligt war, dankt den federführend Verantwortlichen ausdrücklich für die immense Arbeit bei der Erarbeitung und Erstellung dieser Leitlinie.

Auch die breitere Öffentlichkeit ist durch entsprechende Veröffentlichungen auf das Problem ‚Redeflussstörung‘ durch die neue Leitlinie bereits aufmerksam geworden – gut so! (http://www.zeit.de/2016/36/stottern-therapie-hilfe)

Volker Maihack

Leitlinie "Parkinson"

Die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) zur Diagnostik und Therapie des idiopathischen Parkinson Syndroms liegt nun in aktualisierter Fassung (2016) vor, und enthält auch Empfehlungen zur sprachtherapeutischen Versorgung dieser Patientengruppe. Für die Behandlung von Dysphagien, Dysphonien und Dysarthrien wird logopädische Sprech- und Schlucktherapie empfohlen. Dem Expertenkonsens folgend, stellen die Autoren der Leitlinie fest, dass „Logopädische Therapie (...) die Aufrechterhaltung eines adäquaten Maßes an Kommunikationsfähigkeit während des gesamten Krankheitsverlaufes sicherstellen“ kann.

 

Explizit empfohlen werden Verfahren wie LSVT®LOUD, die eine Verbesserung von Stimmlautstärke und Tonumfang zum Ziel haben. Hinsichtlich der Therapieplanung bei Dysphagien verweist die Leitlinie auf den Expertenkonsens, Untersuchungsverfahren wie die fiberendoskopische Untersuchung des Schluckaktes oder auch die Videoflouroskopie einzusetzen.

 

Apparativen Verfahren wie der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation oder tiefen Hirnstumulation wurde keine Wirksamkeit hinsichtlich der Verbesserung von Stimm- oder Sprechfähigkeit unter Alltagsbedingungen zugesprochen. Damit stärkt die aktualisierte Leitlinie der DGN den Stellenwert von spezifischer Stimm-, Sprech- und Schlucktherapie im Konzert der komplexen Behandlung des idiopathischen Parkinson Syndroms.

 

Link zur Leitlinie

Leitlinie LRS

Im Mai 2015 haben die herausgebende AWMF-Fachgesellschaft, die Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (DGKJP), namens der Koordinatoren/der Redaktion in Persona von Prof. Dr. Schulte-Körne und Dr. Katharina Galuschka, die Evidenz- und konsensbasierte Leitlinie (AWMF - Registernummer 028 - 044) zur Diagnostik- und Behandlung von Kindern mit Lese- und/oder Rechtschreibstörung mit Gültigkeit bis April 2020 herausgegeben.

  

Der Entwicklung dieser Leitlinie liegt eine mehrjährige Arbeit zugrunde. Im ersten Schritt kamen Koordinator und Steuerungsgruppe im Januar 2012 zu einer konstituierenden Sitzung zusammen. Das Niveau der Leitlinie wurde festgelegt, Schlüsselfragen formuliert, die hierzu durchgeführte Literaturrecherche dem im Dezember 2012 vollständig besetzten Steuerungsgremium vorgestellt und dort diskutiert.

 

Darüber hinaus wurden die beteiligten Fachgesellschaften für die im zweiten Schritt einberufene Konsentierungskonferenz bestimmt, wobei auf eine größtmögliche Interdisziplinarität geachtet wurde. Dies fand im November 2013 statt. (vgl. Leitlinienreport, S.8 ff.) Für den Deutschen Bundesverband der akademischen Sprachtherapeuten e.V. hat unsere Referentin für LRS und Zertifizierung, Angelika Schindler, teilgenommen und ihre Expertise aktiv und engagiert eingebracht.

  

"Ziel dieser Leitlinie ist es, klare, empirisch fundierte Handlungsanweisungen für eine eindeutige und objektive Diagnostik der Lese- und /oder Rechtschreibstörung bereitzustellen und über die Wirksamkeit einzelner Fördermethoden zu informieren. Darauf aufbauend werden Empfehlungen für eine angemessene Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit einer Lese - und / oder Rechtschreibstörung durch wissenschaftlich begründete (evidenzbasierte), qualitätsgesicherte Verfahren der Diagnostik und Therapie bereitgestellt." (Evidenz- und konsensbasierte Leitlinie (AWMF - Registernummer 028 - 044) 2015, S. 17)

  

Insgesamt sind neunundzwanzig Empfehlungen zur Diagnostik und Behandlung der LRS aus den wissenschaftlichen Studien abgeleitet und zur Abstimmung gebracht worden.

 

Für den Bereich der Sprachtherapie sind folgende Komorbiditäten besonders relevant:

  

  1. Die expressive und rezeptive Sprachentwicklung sollte bei Kindern mit LRS überprüft werden, wenn Hinweise auf eine Störung vorliegen. (S. 67). Empfohlen wird die Berücksichtigung von vorliegenden Leitlinien (s. Prämisse), in dem Fall die zur Leitlinie SES
  2. Interventionen zu auditiven Wahrnehmung und Verarbeitung sollen nicht als alleinige Maßnahme zur Förderung von Kindern- und Jugendlichen mit LRS eingesetzt werden, da kein wissenschaftlicher Beleg für eine Verbesserung nach erfolgter Intervention identifiziert werden konnte. (S. 43) Eine auditive Wahrnehmungsförderung in Kombination mit symptomorientierter Therapie sollte graphemgestützt sein. Ohne Graphembezug wird auch eine Kombinationstherapie nicht empfohlen. (S.47)

 

Einsatzbereich sind alle Bereiche der Diagnostik und Förderung über die Fachdisziplinen hinweg.

  

Lesen Sie die Langfassung der Leitlinie und den Leitlinienreport.

  

Bei weiterführendem Interesse an den Grundlagen finden Sie die Evidenztabellen zu den verschiedenen Bereich auf den Seiten der AWMF

Leitlinie SES/USES

Interdisziplinären S2k-Leitlinie: Diagnostik von Sprachentwicklungsstörungen (SES),

unter Berücksichtigung umschriebener Sprachentwicklungsstörungen (USES)

(Synonym: spezifische Sprachentwicklungsstörungen (SSES))

 

lautet der vollständige Titel der in Kooperation von 16 wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften, Berufsverbänden der Ärzte, Psychologen und der Sprachtherapeuten unter der Moderation der Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlich medizinischer Fachgesellschaften (AWMF) entstandenen Beschreibung des State of the Art der Diagnostik von SES.

 

Zielorientierung der Leitlinie:

Verbesserung der Diagnostik und Differentialdiagnostik von Sprachentwicklungsstörungen. Insbesondere sicheres Erkennen umschriebener Sprachentwicklungsstörungen. Dadurch Förderung einer angemessenen Indikationsstellung therapeutischer Interventionen. 

 

Die Diagnostik-Leitlinie SES ist zu finden unter:

http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/049-006.html

 

und auch als Buch erschienen: Die interdisziplinäre Leitlinie "Diagnostik von (umschriebenen) Sprachentwicklungsstörungen" von Ulrike de Langen-Müller, Christina Kauschke, Christiane Kiese-Himmel, Katrin Neumann, Michele Noterdaeme (Hrsg.) ist im Peter Lang Verlag erschienen (ISBN 978-3-631-62320-6).

 

Bestelladresse:

Peter Lang AG, Internationaler Verlag der Wissenschaften, Moosstrasse 1, CH-2542 Pieterlen / Schweiz; Telefon: ++41 / 32 / 376 17 17; Telefax: ++41 / 32 / 376 17 27

E-mail: info@peterlang.com; Homepage: www.peterlang.de

Weitere relevante Leitlinien

Leitlinie zum Bereich Aphasie-/Dysarthrie:

http://www.aphasiegesellschaft.de/index.php/leitlinien/

  

Dysphagie-Leitlinie (bei der AWMF gelistet):

http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-111.html

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