
Im November fand bereits das zweite Treffen unseres UK-Stammtischs für den Bereich Berlin statt. Es kam eine Gruppe aus vorwiegend Sprachtherapeut:innen und Logopäd:innen, aber auch UK-Interssierten aus der Einzelfallhilfe zusammen. Das Thema „Diagnostik in der UK“ wurde beim ersten UK-Stammtisch gemeinsam festgelegt. Eine der Teilnehmerinnen stellte den TASP (Test of Aided-Communication Symbol Performance) als Diagnostikinstrument vor, da sie kürzlich an einer Fortbildung über diesen teilgenommen hatte. Eine andere Teilnehmerin ergänzte den kleinen Vortrag mit der App „Tipp mal“, die sie selbst als praktischer für die logopädische Einschätzung bei UK empfindet. Daraufhin wurden gemeinsam Vor- und Nachteile der Diagnostiken diskutiert. Anschließend stellten zwei weitere Teilnehmerinnen das Poster „Kommunikation einschätzen nach Irene Leber“ und darauf aufbauend den KIAS (Kompetenzinventar für die Entwicklungsbegleitung von Kindern aus dem Autismus- Spektrum) von Castañeda et al. vor.
Für die nächste Stunde haben wir uns vorgenommen, mehr über Fallbeispiele und persönliche Erfahrungen zu sprechen, da dies durch sehr viel Input in dieser Stunde etwas zu kurz kam. Der nächste Stammtisch soll sich mit der ersten Phase der nicht intentionalen Kommunikation nach Irene Leber und Förder- bzw. Therapiemöglichkeiten in diesem Bereich beschäftigen.
Am 06. Februar 2025 werden wir uns wieder gemeinsam zum 3. UK Stammtisch in der Praxis für Logopädie und Dysphagietherapie Renata Oehlgardt im Schweiggerweg 2-12, 13627 Berlin einfinden. Dieses Mal können UK-Interessierte auch online am Stammtisch teilnehmen. Wir freuen uns auf einen regen Austausch. Eine Anmeldung ist bis zum 03.02.2025 über UK-StammtischBerlin@web.de möglich.
Gina Hänsel und Chiara Elligsen-Giering
dbs-Vertreterinnen für den Bereich Unterstützte Kommunikation in Berlin
Bericht zum Treffen der AG Sprachtherapie bei Demenz am 30.11.2024
(Geschrieben von Michaela Schroif)
Am 30. November 2024 fand wieder ein Treffen der AG „Sprachtherapie bei Demenz“ des dbs statt. Das Schwerpunktthema des Treffens sollte die Lewy-Body-Demenz sein. Geplant war ein kurzer theoretischer Überblick über das Störungsbild der Lewy-Body-Demenz, mit Hintergrundwissen zu Störungen, Problemen und daraus resultierenden therapeutischen Möglichkeiten. Allerdings haben wir unseren Plan schnell geändert, da wir einen ganz besonderen und interessanten Gast begrüßen durften. Frau Liselotte Klotz, die sofort zum freundschaftlichen Lilo überging, wurde von unserer AG-Leiterin Antje Tontsch zu unserem Treffen eingeladen. Antje hat Frau Klotz vor einiger Zeit auf dem „Demenz-Meets“ in Köln kennengelernt und war sofort von ihrer Persönlichkeit, ihrem Engagement und vor allem ihrem Wunsch, gehört zu werden begeistert. Da Frau Klotz selber Betroffene ist und zudem an der Lewy-Body-Demenz erkrankt, war dies ein noch wertvollerer Beitrag als alles, was wir vorbereitet hatten.
Frau Klotz stellte sich unserer Gruppe kurz vor und berichtete von ihrem Lebens- und Leidensweg. Gebannt hörten alle Mitglieder der AG zu, wie Frau Klotz von der Diagnosestellung, dem ziemlich unmöglichen Verhalten des damaligen Arztes und dem tiefen Fall danach berichtete. Kopfschüttelnd lauschten wir ihren Schilderungen vom Verlust ihrer Arbeitsstelle, der Gesprächsführung vieler Ärzt:innen – die plötzlich nur noch mit den Kindern von Frau Klotz, nicht aber mit ihr sprachen („Die Ärzte kommunizieren am Patienten vorbei“) - und der Wertstellung der Alzheimer Gesellschaft, die Frau Klotz aufgefangen, aufgebaut und letztendlich zum Sprachrohr der betroffenen Menschen mit Demenz gemacht hat. Frau Klotz betonte mehrfach, wie wertvoll und wichtig es für sie und alle anderen Betroffenen sei, dass die Gesellschaft (egal ob Ärzt:innen, Therapeut:innen, Fachgremien etc.) MIT den Menschen mit Demenz und nicht ÜBER sie sprechen. Und dass Frau Klotz noch einiges zu sprechen/sagen hat, das machte sie uns in unserem Treffen deutlich. Nach den großen Veränderungen in ihrem Leben engagiert sie sich heute als Betroffene im Patientenbeirat „Leben mit Demenz“ (Deutsche Alzheimer Gesellschaft, DAlzG) und des DZNE (Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e. V.) sowie als Vize-Chairperson in der European Working Group of People with Dementia (EWGPWD).
Als Betroffene:r muss man mit vielen Veränderungen leben lernen. „Alles hat sich geändert! Jeder Lebensbereich: die medizinische Versorgung, Pflege, Arbeit…“ Hilfe bekommt man erst mal nicht wirklich. Erst, wenn man an die richtigen Menschen/Institutionen gelangt, ist Hoffnung in Sicht. Frau Klotz verdeutlichte uns, wie wichtig die Biografie und die Lebensweise eines Menschen sind, wenn es darum geht, Hilfe zu suchen und zu bekommen. Sie erläutert, dass man nach der Diagnosestellung erst einmal wieder in Handlung kommen müsse. Dies sei jedoch aus vielerlei Gründen sehr schwer. Man habe Angst – Angst vor Stigmatisierung, vor dem Verlust von Kontakten und der Anbindung an die Gesellschaft; Angst davor, nicht mehr als voll genommen zu werden, den Arbeitsplatz zu verlieren (wenn ich arbeite bin ich wertvoll und effektiv) und damit auch Angst um den Verlust der finanziellen Sicherheit. Als einen Grund für diese Angst sieht Frau Klotz das öffentliche Bild, das die Gesellschaft von Menschen mit Demenz hat. Sie betont, wie wichtig es ist, dass sich Betroffene, Angehörige und Therapeut:innen zusammentun und gemeinsam dafür kämpfen, dass es zu einer Veränderung in der Sichtweise kommt. Den Betroffenen müssen Wege zu Organisationen und therapeutischen Möglichkeiten gewiesen werden und es darf nicht weiter mit einem Kampf und vielen Hindernissen verbunden sein, wenn Menschen mit Demenz auch nicht-medikamentöse Therapien in Anspruch nehmen wollen. Denn, auch das betonte Frau Klotz, „Medikamente sind schon wichtig, ABER nicht-medikamentöse Möglichkeiten sind noch wichtiger!“
Nach einer sehr ansprechenden und interessanten PowerPoint-Präsentation von Frau Klotz ging es dann in einen regen Austausch miteinander. Viele Fragen von Seiten unserer AG, aber auch viele Ergänzungen von Frau Klotz, Einblicke in ihre wertvolle und effektive (Mit-)Arbeit in zahlreichen Gremien, Fachkreisen, Forschungsprojekten aber auch ihr Hinweis, dass die Zeit, in der Menschen mit Demenz mitarbeiten können, aufgrund der Progredienz ihrer Erkrankung begrenzt ist, machten uns als Mitgliedern der AG noch einmal deutlich, wie wichtig und wertvoll auch unsere Arbeit und unser Engagement für die Menschen mit Demenz ist.
Abschließend fasste Frau Klotz dann noch einmal zusammen, was sie am Austausch mit uns, aber auch an unsere Arbeit wichtig und wertvoll findet: „Wir Menschen mit Demenz brauchen eine Selbstwirksamkeit. Diese kann nur erreicht werden, wenn wir selber aktiv werden. Wenn wir das nicht schaffen, brauchen wir Menschen, die uns dabei helfen, wieder selber aktiv zu werden. Auch wenn Kommunikation noch gut gelingt, möchte ich doch alles möglichst lange erhalten, was ich noch kann. Ich brauche Sicherheit und Vertrauen und dann kann ich mich zurücklehnen und die Fachkompetenz meines Therapeuten annehmen. Ich muss zu mir und zu meiner Konzentration immer wieder zurückfinden, um kommunizieren zu können. Und die Sprachtherapie ist auch für die Angehörigen sehr erleichternd.“
Der Aufruf zum Schluss unseres dann doch vier stündigen Treffens von Frau Klotz lautete:
„Nutzt unsere Möglichkeiten und nutzt UNS!“ Das machte noch einmal allen Teilnehmerinnen deutlich, wie wertvoll unsere Arbeit, wie wertvoll die Sprachtherapie für Menschen mit Demenz ist. Die Menschen mit Demenz sind ein wertvoller Teil unserer Gesellschaft, haben immer noch viel zu sagen und mitzureden und damit sie das auch so lange wie möglich können brauchen sie uns Sprachtherapeut:innen und unsere Therapie und Beratung (auch für die Angehörigen).
Bereich Ost: Region Dresden- Leipzig- Erfurt: Fortbildung „HandsLogOn-Quickie“ in Gotha
Endlich wieder mal live - am 9. November trafen wir uns aus dem Großraum Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen zu einer großartigen Fortbildung in Gotha. Referentin war Christina Schönhold, Logopädin in eigener Praxis und Fortbildungsreferentin. Sie hielt einen Workshop-Vortrag mit dem Titel „HandsLogOn“, ein ganzheitlicher Ansatz mit den Schwerpunkten Atmung und Muskelspannung.
Auf sehr einfühlsame, didaktisch sehr gut aufbereitete und in größtem Maße praktische Weise führte sie uns in das Thema ein. Inhalte waren: „Die Maschine Körper“ (Zahnradmodell), atemvertiefende Handgriffe, Indikationen und Kontraindikationen für das Anwenden dieser speziellen Grifftechnik im sprachtherapeutischen Alltag. Mittels der speziellen „Handarbeit“ an Kopf, Kehlkopf, Brustkorb, Bauch und Rücken wird beispielsweise das Gewebe gelockert, die Körperstabilität und Beweglichkeit verbessert, das Ansatzrohr erweitert. Die Zeit verging wie im Flug, so gebannt waren wir von den neuen Lerninhalten. Ein kleiner Trost: Die Referentin bietet dieses Seminarthema auch als größere Fortbildungseinheit an.
Den Teilnehmerinnen waren Freude und Interesse anzumerken, auch, da nach vielen Jahren wieder ein Präsenztreffen durchgeführt werden konnte.
Im Anschluss tauschten sich Arbeitnehmerinnen und Praxisinhaberinnen noch über Neues (und Altes) aus. Thema und Datum der nächsten Fortbildungsveranstaltung entnehmen Sie zu gegebener Zeit bitte der Homepage des dbs und dem turnusmäßig versendeten Newsletter des dbs.
Nach längerer Vakanz stehen die Praxisinhaberinnen Susann Gröschel-Henkel (Gotha) und Katrin Müller (Dresden) als dbs-Vertreterinnen für die o. g. Region als Ansprechpartnerinnen zur Verfügung.
Speziell für die Arbeitnehmer:innen nach wie vor Ute Hentschker-Ott (Dresden)
Susann Gröschel-Henkel
Ute Hentschker-Ott
Unglaublich, aber wahr: Unsere AG wird schon 10 Jahre alt!
Zu Beginn, ab der Gründung im März 2014, war es für uns erst einmal wichtig, ein Basiswissen über dementielle Erkrankungen für alle Teilnehmer:innen zu schaffen, auf dessen Grundlage wir dann arbeiten konnten. So haben wir uns von mehreren Seiten (medizinisch, sprachtherapeutisch, kommunikations- und sozialwissenschaftlich, …) mit den unterschiedlichen demenziellen Erkrankungen und deren typischen Symptomen vertraut gemacht. Hierzu haben wir uns weiterqualifiziert und das Störungsbild der Demenz sowie die Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie demenzieller Erkrankungen, aber auch Konzepte für die Beratung der Angehörigen erarbeitet. Wir haben an Fortbildungen teilgenommen und für uns Teilnehmer:innen der AG Fortbildungen mit den uns wichtigen Fragestellungen organisiert, unsere Erfahrungen ausgetauscht, uns gegenseitig unterstützt und supervidiert, Therapiemethoden diskutiert, ausprobiert und auch entwickelt. Als TherapeutIn ist man darauf angewiesen, eigene Konzepte und Ideen zu entwickeln sowie neuere auch noch nicht evaluierte Verfahren auszuprobieren und diese, angepasst an die Patienten und ihre individuellen Bedürfnisse, weiterzuentwickeln. Hier ist es von großer Bedeutung, Erfahrungen unter KollegInnen auszutauschen, wozu die TeilnehmerInnen der AG 4 mal pro Jahr die Gelegenheit haben.
Unsere Arbeit in der AG, unser fachlicher Austausch und unsere Qualifizierung sind bis heute nicht abgeschlossen und so werden weiterhin regelmäßig Fallbeispiele besprochen, Referent:innen eingeladen, Ideen entwickelt und vor allem der Austausch über die vielen verschiedenen Bereiche der Sprachtherapie bei Menschen mit Demenz gefördert. So weisen wir sowohl in der Fachwelt als auch in der Öffentlichkeit immer wieder auf die hohe Bedeutsamkeit der sprachtherapeutischen Versorgung von Menschen mit Demenz hin. Wir möchten die Möglichkeiten und Inhalte unserer Arbeit als Sprach- und SchlucktherapeutInnen, die in der Therapie mit Menschen mit Demenz tätig sind, möglichst vielen Menschen bekannt machen, um so zu einer Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Demenz beizutragen.
Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit haben wir von Anfang an auf die Möglichkeit einer sprachtherapeutischen Versorgung für Menschen mit Demenz sowie deren Angehörige hingewiesen.
Wir halten Vorträge (u.a. auf den Demenzwochen 2023 in Köln), laden immer wieder Referent:innen ein, um mit diesen in einen Austausch zu kommen. Und wir haben eine Broschüre mit Informationen hinsichtlich der sprachtherapeutischen Versorgung von Menschen mit Demenz für Betroffene und deren Angehörige erarbeitet. Diese Broschüre steht zum kostenlosen Download auf der Homepage des dbs zur Verfügung.
Zur Gründung im Jahr 2014 kamen ca. 20 Teilnehmer:innen verschiedener Fachdisziplinen nach Köln. Auch die weiteren Treffen fanden in den ersten Jahren immer wieder in Köln statt, so dass unser Kreis zunächst auf das Rheinland begrenzt war. 2020 hat die Corona-Pandemie auch uns daran gehindert, uns in Präsenz zu sehen, so dass unsere Treffen seither online stattfinden, was dazu geführt hat, dass sich der Kreis der Teilnehmer:innen auf das gesamte Bundesgebiet erweitern konnte. Also treffen wir uns nun online oder hybrid und freuen uns, dass so auch interessierte Kolleg:innen, die außerhalb des Rheinlandes wohnen und arbeiten, dabei sein können. Besonders schön ist, dass ein harter Kern von 5 Kolleg:innen von Anfang an bis heute in der AG mitarbeitet.
Wir freuen uns, dass uns eine lange gemeinsame interessante Wegstrecke verbindet. Es sind Freundschaften unter uns Kolleg:innen entstanden. Viele Projekte, wie die Erstellung der Broschüre, die Zusammenstellung von Diagnostik- und Therapiematerialien, die Anregung zu Master- und Promotionsarbeiten, der interdisziplinäre Austausch mit forschender Medizin, Philosophie und anderen Fachgruppen und vieles mehr, konnten in den vergangenen 10 Jahren realisiert werden. Und auch für die Zukunft haben wir noch viele Ideen, mit denen wir uns beschäftigen möchten.
Sprachtherapie ist für Menschen mit Demenz noch immer keine Selbstverständlichkeit, obwohl ihr Nutzen mittlerweile in zahlreichen Studien nachgewiesen werden konnte.
Wir werden uns auch in Zukunft treffen und an unserem Projekt weiterarbeiten. Doch jetzt ist es an der Zeit zu feiern!
Antje Tontsch
dbs-Vertreterin AG „Sprachtherapie bei Demenz“
Am 23.09.2023 traf sich die AG Sprachtherapie bei Demenz in Kerpen. Diesmal konnte die Arbeitsgruppe den renommierten Forscher Prof. Dr. Özgür Onur, Leiter der Memory Clinic Köln Jülich und leitender Oberarzt der Klinik und Polyklinik für Neurologie der Uni-Klinik Köln, für einen Arbeitsbesuch gewinnen.
Herr Onurs Forschungsinteresse liegt zur Zeit vor allem in der bildlichen Darstellung von Hirnprozessen insbesondere bei Gedächtnisleistungen. Aktuell untersuchen er und sein Forschungsteam mit bildgebenden Verfahren v.a. frontotemporale Demenzen. Als Verfahren nutzt die Forschungsgruppe die TMS (Transkranielle Magnetstimulation), aber auch invasive Methoden wie die Tiefe Hirnstimulation, bei der während einer OP Elektroden in das Hirn eingesetzt werden, kommen zum Einsatz.
Für unser Treffen haben sich die AG-Mitglieder Fragen zu Dr. Onurs Arbeit und zu seiner Forschung überlegt, die er während der 2-stündigen Sitzung beantwortet hat.
Für die Zukunft wünscht er sich eine gute Zusammenarbeit mit der AG Sprachtherapie bei Demenz und dem dbs. So könne die AG und der dbs in schon geplante oder neue Forschungsvorhaben involviert werden. Auf diese Zusammenarbeit freuen wir uns!
Dieter Schönhals
Einmal im Jahr plant die Regionalgruppe Stuttgart einen Vortragsabend. Die Idee, einen Vortrag zum Thema „Narrative Kompetenzen im Kindesalter“ zu veranstalten, kam von Bianca Körner, die dann auch dankenswerter Weise die Organisation der Veranstaltung übernommen hat. Mit Stephanie Schulte-Busch ist es ihr gelungen, eine kompetente Referentin zu gewinnen, die den 19 Online-Teilnehmerinnen in drei Stunden einen fundierten Überblick über Theorie, Diagnostik und Therapie von Erzählstörungen vermitteln konnte. Textlinguistik wurde ebenso anschaulich erklärt wie der Erwerb kindlicher Erzählkompetenzen und Fördermöglichkeiten. Eine gelungene Veranstaltung!
„Wahrnehmung und Resonanz“ - Demenz in Theorie und Praxis
22. bis 24. April 2021
Bereits 2020 wurde die AG „Sprachtherapie bei Demenz“ des dbs zu einer Tagung der a.r.t.e.s. Graduate School fortheHumanities Cologne eingeladen. Die Mitglieder der AG wurden darum gebeten, an einem transdisziplinären Workshop teilzunehmen, um die sprachtherapeutische Arbeit mit dementiell erkrankten Menschen im Rahmen der Tagung vorzustellen. Coronabedingt musste der geplante Termin im November 2020 ausfallen, aber Dr. Eric Norman Dzwiza-Ohlsen und Ragna Winniewski von der Universität zu Köln organisierten im April 2021 als Ersatz eine Zoom-Konferenz zum Thema: „Wahrnehmung und Resonanz - Demenz in Theorie und Praxis“.
Im Zentrum der Online-Tagungstanden die lebensweltlichen Erfahrungen von Personen mit Demenz. Ziel war es, das subjektive und intersubjektive Erleben der Betroffenen in den theoretischen Diskurs einzubeziehen. Anhand von Beiträgen aus der Phänomenologie, Psychopathologie und Therapie fand ein Austausch darüber statt, wie sich das Bewusstsein für das eigene leibliche Empfinden und die eigene Identität stärken lässt. Hierzu dienten die zwei Begriffe „Wahrnehmung“ und „Resonanz“. Gleichzeitig sollte dieser transdisziplinäre Workshop dazu beitragen,den Austausch und die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Gruppen, die sich mit dem Thema Demenz beschäftigen, zu verbessern. Diese gesetzten Ziele wurden unseres Erachtens sehr gut umgesetzt, so dass auf der Tagung durch die ganz unterschiedlich gewichteten Beiträge der Referent*innen aus verschiedenen Forschungsbereichen und der Praxis das breite Spektrum der Demenz dargestellt wurde.
Prof.Dr. Christiane Woopen, Medizinethikerin (Uni Köln),eröffnete die Tagung mit einer Keynote zum Thema „Alter, Demenz und Resonanz“ und stellte insbesondere ethische Aspekte einer Demenzerkrankung dar. Sie wies auf die besondere Bedeutung der Lebensqualität insbesondere im hohen Alter hin und verwies diesbezüglich auf die Forschungsergebnisse der CERES Studie NRW 80+.
Dr. Marion Bär (Uni Heidelberg) sprach über „Sinn und Sinnerfahrung unter den Bedingungen dementieller Erkrankungen“. Sie betonte, dass es nicht die Demenz gibt und dass der Weg zur Sinnerfahrung individuell verschieden ist. Als besonders wichtig hob sie hervor, dass Impulse der dementiell Erkrankten aufgenommen werden, um so in eine zwischenmenschliche Resonanz zu kommen.
Um „Therapeutische Atmosphären“ ging es bei dem Vortrag von Prof. Dr. Sonntag (Medical School Hamburg), der aus dem Blickwinkel der Musiktherapie über die Möglichkeiten der Kommunikation mit dementiell Erkrankten sprach. Unter dem Begriff der therapeutischen Atmosphären versteht er einen resonanzgebenden Raum, der es ermöglicht, sich ohne Handlungs- und emotionalen Druck in spürbarer Anwesenheit anderer selbst zu erleben.
Im anschließenden Vortrag von Prof. Dr. Susanne Zank (Uni Köln) wurde der Blick auf die besonderen Belastungssituationen der „Angehörigen in der Pflege“ gelenkt. Sie stellte sehr anschaulich dar, dass die Pflege eines dementiell Erkrankten sehr häufig Konsequenzen für den psychischen und gesundheitlichen Zustand der Angehörigen hat.
Der zweite Tag begann mit einem Beitrag zum Thema „Das verkörperte Selbst in der Demenz. Eine phänomenologische Perspektive“ von Prof. Dr. Christian Tewes (Alanus Hochschule Mannheim). Er zeigte u.a. anhand des Beispiels der Tänzerin M.C. Gonzales auf, dass der Leib zu einem fluiden Träger des seelisch-geistigen Ausdrucks in Gestik, Mimik, Habitus und Bewegung wird. Sein Fazit: Das Selbst verschwindet nicht, sondern manifestiert sich in der Demenz in vielfältigen Formen expressiver Handlungen und Interaktionen.
Dr. Eric Norman Dzwiza-Ohlsen (Uni Köln) informierte die Teilnehmer*innen über „Orientierung und Orientierungsverluste“ indem er zunächst darstellte, wie wir uns orientieren und wie wir Orientierungsverluste erfahren, um dann aufzuzeigen, wie Menschen mit einer Demenz Orientierungsverluste erfahren.
Seine Kollegin und Mitorganisatorin Ragna Winniewski (Uni Köln) referierte zum Thema: „Synästhesie-Atmosphäre–Resonanz: phänomenologische und therapeutische Perspektiven“ und definierte die einzelnen Begriffe anhand der Darstellung eines Projekts zum „Snoezelen“ in einer Demenzeinrichtung in Lissone/Italien.
Im anschließenden Vortrag stellte Frank Hildebrandt, Kommunikationsdesigner,einige seiner Projekte zur „ Demenzsensiblen Lebensraumgestaltung mit therapeutischer Wirkung“ sehr anschaulich und anhand vieler Fotos vor. Hierbei ging es um sehr unterschiedliche Möglichkeiten einerdemenzfreundlichen Gestaltung von Räumen, z.B. von langen Fluren in Krankenhäusern oder Senioreneinrichtungen.
Die Teilnehmer*innen erhielten im Vortrag „Gehörlosigkeit und Gebärdensprache“ von Lisa Stockleben (Uni Köln) einen nachvollziehbaren Einblick in die Lebenswelt gehörloser Menschen mit Demenz.
Nach diesen zwei sehr informativen Tagen begann der dritte Tag mit einer zweiten Keynote von Prof. Dr. Andreas Kruse (Uni Heidelberg) zum Thema: „Der Augenblick der zwischenmenschlichen Resonanz“. Prof. Dr. Kruse betonte auf vielfältige Weise, dass der Augenblick in der Beziehung mit Demenzkranken etwas sehr Wesentliches ist. Hierzu bediente er sich u.a. einiger literarischer Texte und zitierte z.B. das Gedicht „Betrachtungen zur Zeit“ von Andreas Gryphius, um auf die Bedeutung des Augenblicks einzugehen. Im Zusammenhang mit dem Augenblick muss aber auch die Biografie Beachtung finden. Denn die Biografie lebt im Menschen fort und bleibt erhalten. Prof. Kruse beschrieb, dass einzelne Aspekte des Selbst im Augenblick aktiviert werden können und somit im hohen Maße identitätsstiftend sind.
David Vogel vom Forschungszentrum Jülich veranschaulichte den Bereich der „Zeiterfassung bei Demenz“. Herr Vogel verglich Ergebnisse aus dem Bereich der Depressionsforschung mit dem Zeiterleben bei Demenz.
Um „Theater in der Pflege von Menschen mit Demenz“ ging es in dem anschließenden Vortrag von Jessica Höhn (Hochschule Osnabrück). Sie stellt mehrere Theaterprojekte mit und für Menschen mit Demenz vor und berichtete von ihrem Forschungsprojekt zur Erfassung des Effekts des Theaterspiels auf die Lebensqualität bei Menschen mit einer mittelgradigen Demenz.
Den Abschlussvortrag hielten Antje Tontsch und Michaela Schroif, akademische Sprachtherapeutinnen der dbs-AG „Sprachtherapie bei Demenz“. Sie zeigten die Möglichkeiten sprachtherapeutischen Arbeitens mit dementiell Erkrankten auf. Zunächst gab Frau Tontsch einen theoretischen Überblick über die sprachtherapeutische Arbeit mit Patienten, die unter einer dementiellen Erkrankung leiden. Frau Schroif veranschaulichte die therapeutische Vorgehensweise durch ein Biografiebuch, welches sie mit einem dementiell erkrankten Patienten erarbeitet hat. In ihrem Vortrag stellten Frau Tontsch und Frau Schroif noch einmal den Bezug zu den Begriffen der Tagung „Wahrnehmung“ und „Resonanz“ her und zeigten auf, dass eine gelungene, identitätsunterstützende Kommunikation auf einer guten Wahrnehmung der Bedürfnisse des Patienten beruht und durch eine zwischenmenschliche Resonanz gekennzeichnet ist.
Antje Tontsch, dbs-AG „Sprachtherapie bei Demenz“
Es war der Auftakt einer geplanten Reihe von Vorträgen oder Veranstaltungen der Regionalgruppe Stuttgart - und es wurde ein Abschied für unbestimmte "Corona"-Zeit von dem gewohnten Miteinander:
am 12. März hielt Herr Seimer auf Einladung der dbs Regionalgruppe Stuttgart einen Vortrag mit dem Titel "Rund um AVWS" in der Ludwigsburger Karlskaserne.
Andreas Seimer, Leitender Arzt des Schwerpunkts Phoniatrie und Pädaudiologie und der Abteilung für Logopädie des Marienhospitals in Stuttgart, referierte sehr anschaulich und versiert über Diagnostik und Behandlung der AVWS. Für die 20 teilnehmenden Sprachtherapeutinnen und Logopädinnen wird dieser Abend aufgrund seines fachlichen Mehrwerts lange in Erinnerung bleiben. Und es war für alle das letzte Gruppentreffen mit Koleginnen auf unbestimmte Zeit.
Wir haben am 17.01.2020 unser Regionaltreffen mit Fortbildung durchgeführt. Als Experten und Dozenten zum Thema „Manuelle Therapie“ konnten wie Dick Egmond, Daniel Sommerfeld und Tom Beck gewinnen. Sie bieten das Thema Manuelle Therapie im Rahmen der Weiterbildung für PhysiotherapeutInnen am Institut für Angewandte Manuelle Therapie (IFAMT) an. In der Ludwig-Fresenius-Schule konnten wir einen großen Raum mit Liegen nutzen, um das Gelernte gleich umzusetzen. Das praktische Thema und die interdisziplinäre Anleitung kamen gut bei den TeilnehmerInnen an, so dass eine weiterführende Veranstaltungsreihe aus drei Modulen mit abschließender Zertifikatsprüfung geplant wird. Näheres dazu wird natürlich an Sie/Euch weitergegeben.
Als Überraschungsgast war Christina Radusch von Theraphysia da und hat uns das T-Rappy-Programm und die Erweiterung "Auf die Füße fertig los" zum ganzheitlichen Arbeiten vorgestellt. Bestellungen konnten gleich vor Ort aufgegeben werden.
Im Anschluss daran fand unsere Regionalgruppenversammlung statt. Diese haben wir genutzt, um die TeilnehmerInnen über die aktuelle Verbandsarbeit zu informieren, v. a. über die Arbeitnehmer- und Praxisinhabervertretung, die neuen Zulassungsbedingungen, die Neufassung der Heilmittelrichtlinie, den zweiten Therapiegipfel, unsere Verbandszeitschrift „Praxis – Beruf – Verband“, das Terminservice und -Versorgungsgesetz (TSVG) sowie über die nächsten dbs-Termine.
Neu war unsere Gruppenarbeit am Ende der Regionalgruppensitzung. Wir haben uns über das TSVG ausgetauscht: Was sind die Vorteile für die einzelnen, was sind die Nachteile und was sind die Wünsche für die Zukunft? Dazu haben die ArbeitnehmerInnen (AN) und PraxisinhaberInnen (PI) Gruppen gebildet. Innerhalb der Gruppen haben sich die TeilnehmerInnen gegenseitig interviewt, um in der Diskussion Anhaltspunkte für die weitere Verbandsarbeit erzielen zu können.
Als Vorteile wurden festgehalten: Mehr Einnahmen für PI und AN, mehr Urlaub möglich, mehr Budget für Therapiematerial, Möglichkeiten der Renteneinzahlung und –bezuschussung, mehr Fortbildungszuschuss/Fortbildungstage, Anpassung der Preise für Privatzahler an die Krankenkassensätze, Aufbau von Rücklagen möglich, Möglichkeit, weniger zu arbeiten bei gleichen Einnahmen, Instandhaltung der Praxis ermöglichen, stärkere gesellschaftliche Wahrnehmung.
Es wurden aber auch Nachteile formuliert, die trotz des TSVG noch bestehen: Es gibt immer noch zu wenig Gehalt, steigende Kosten (für Praxismiete, Materialien usw.), Berufsanfänger verlangen viel Gehalt, müssen aber häufig erst angelernt werden, übersteigerte Erwartungshaltung der AN, Therapieausfall führt zu unbezahlter Arbeitszeit („Minusstundenverträge“), Hausbesuche sind nach wie vor zu gering bezahlt und damit unrentabel, Personalmangel kann noch nicht überwunden werden, hohe Belastung durch viele Anmeldungen
Wünsche für die Zukunft sind:Höhere Kassensätze und besser bezahlte Hausbesuche, Bezahlung der Nebenleistungen (Telefonzeiten, Patienten- und Praxismanagement) und eine Abrechnungsposition für Berichte, weitere Gehaltssteigerung für AN, bessere Aussichten für die Rente/Bekämpfung der Altersarmut, Absprachen über Privatpreise, Bürokratieabbau, Anforderungsprofil für AN in der Praxis
Die Ergebnisse sollten diskutiert werden und können für die weitere Arbeit oder Projekte innerhalb des Verbandes dienen.
Bis zur nächsten Regionalversammlung
Ihre/Eure dbs-Regionalvertretung Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern
Martina Gester, Praxisinhabervertreterin, gester@dbs-ev.de
Ilona Stoffers, Praxisinhabervertreterin, ilona_stoffers@web.de
Christina Wanke, Arbeitnehmervertreterin, christina-wanke@online.de
Am 02.11.2019 fand das Treffen der dbs-Regionalgruppe Sachsen/Thüringen statt, diesmal in Verbindung mit einer einführenden Fortbildung zum Marte Meo-Konzept nach Maria Aarts.
Die Referentin Angelika Beger (u.a. Dipl. Sozialpädagogin und Marte Meo Therapeutin) erläuterte uns zunächst dieses innovative, videobasierte Interventionsmodell, welches in allen psychosozialen, pädagogischen oder therapeutischen Feldern Anwendung finden kann, in denen es um die Unterstützung und Begleitung von Entwicklungs- und Lernprozessen geht. So kann diese Methode sehr hilfreich sein bei der Therapie von Kindern und erwachsenen Menschen mit Entwicklungsproblemen oder Verhaltensauffälligkeiten, wie sie auch oftmals in unserem therapeutischen Alltag auftreten.
Im praktischen Teil wurden wir intensiv einbezogen. Eigene Therapiesituationen wurden lösungsorientiert besprochen. Eine Videoaufnahme einer Therapiefrequenz, konnte – da das Einverständnis der Patientin und der Therapeutin vorlag – kleinschrittig analysiert und ausgewertet werden.
Wir fanden diese Weiterbildung sehr spannend und die Zeit verging wie im Fluge. In den Pausen nutzten wir die Zeit zu individuellen Gesprächen und zum fachlichen Austausch.
In unserer nachfolgenden Regionalversammlung kamen vor allem berufspolitische Themen, eigene Sorgen und Nöte der KollegInnen, sowie verbandsrelevante Aktivitäten zur Sprache.
Katrin Müller, dbs-Vertreterin Sachsen/Thüringen
Am 4.7.2019 fand der 1. Stammtisch für Unterstützte Kommunikation im Rahmen der Interessenvertretung des dbs in München statt. Ansprechpartnerin für diesen Bereich ist Franziska Hagemeister, dbs-Vertreterin für den Bereich Unterstützte Kommunikation für Bayern; hagemeister.franziska@gmail.com
Weitere Informationen aus den Ländern und Berichte über die Landesgruppentermine und Projekte ab 2014 finden Sie hier in unserem ARCHIV
An dieser Stelle können Betroffene oder interessierte Eltern bzw. Angehörige von sprach- und sprechgestörten Menschen Sprachtherapeut:innen in ihrer Nähe finden.
Exklusiv für dbs-Mitglieder: Aktuelle Informationen, Verträge, Preisvereinbarungen, Servicepapiere etc. Bitte melden Sie sich an!